»Es ist also ein Mädchen«

Hommage an Erika und Klaus Mann

Schwules Museum*

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Thomas Mann, der lebenslang gegen die eigenen homosexuellen Wünsche ankämpfte, erhielt 2005 eine umfängliche Würdigung im Schwulen Museum*. 2009 folgte die Hommage an seinen Sohn Golo, der früh Widerstand gegen das großbürgerliche Elternhaus und seine beiden älteren bohemehaften Geschwister leistete. Erika Mann, erstes Kind von Katia und Thomas Mann, sollte eigentlich ein Junge werden. Trotz Vaters Enttäuschung hatte Erika eine herausgehobene Stellung innerhalb der Familie. Sie war Papas Liebling. Schon früh verband sie mit dem ein Jahr jüngeren Bruder Klaus eine enge fast symbiotische Beziehung.

Unsere Ausstellung wird diese Geschwisterkonstellation in den verschiedenen Lebenssituation beleuchten: Die Kindheit und Jugend in München, Klaus’ frühe literarische Prägungen, seine unbändige Leselust, der väterliche Einfluss, die Stellung zu den vier nachfolgenden Geschwistern – die beiden Großen waren geliebtes Vorbild und gefürchtete Autorität. Das Faible fürs Theaterspielen war beiden gemeinsam. Klaus entwarf Stücke, Erika beteiligte sich an der Realisierung – so lernte man Gustaf Gründgens kennen. Bald brachen die Geschwister alle Beziehungen zum Theater ab, um auf Weltreise zu gehen. Geld spielte keine Rolle, man improvisierte, stürzte sich ins Abenteuer, die Eltern zahlten. Als the famous Mann-Twins eroberten sie Sympathien in Amerika und Asien, teilten Freundschaften und auch Drogen. Erika war für den labilen selbstmordgefährdeten Bruder unentbehrlich.

Natürlich interessieren wir uns für die schwulen und lesbischen Geschichten rund um das Geschwisterpaar: Klaus Mann hat früh seine Homosexualität literarisch ausgestellt. Erika war weitaus dezenter. Aber auch hier gibt es eindringliche Exponate für ein freizügiges Leben, das die Konventionen der Zeit souverän überging. Eine lebenslange Freundschaft verband sie mit Therese Giehse, ihrer Mitstreiterin aus Pfeffermühlen-Tagen. Annemarie Schwarzenbach war unglücklich in Erika verliebt. Christa Winsloe, die mütterliche Freundin, sorgte dafür, das Erika Mann in Leontine Sagans Film Mädchen in Uniform eine kleine Rolle erhielt. Erika und Klaus waren Stammgäste in Freddy Kaufmanns Berliner Jockey Bar. Hier verkehrten Leute von Film, Literaten, Transvestiten, Lesben, Schwule und Nutten. Beide kannten den umtriebigen Kaufmann noch aus ihren Jugendtagen in München. Im Shanghaier Exil eröffnete Kaufmann mit seinem Freund Horst Riehmer erneut einen Nachtclub nach dem Berliner Vorbild. In Hollywood lernten Klaus und Erika Mann bei Salka Viertel die göttliche Greta Garbo kennen. Signe von Scanzoni, eine Musikjournalistin, wurde Erikas letzte Gefährtin, die ihr bis zum Tode sehr nahe war. Ihre Erinnerungen, dank Irmela von der Lühes Spürsinn wieder aufgefunden und 2010 veröffentlicht, zeigen ein berührendes Bild aus Erika Manns letzten Jahren.

Die „Hommage an Erika und Klaus Mann" wird kuratiert von Wolfgang Theis, in Zusammenarbeit mit der Monacencia München, die den Nachlass von Klaus und Erika Mann verwaltet. Das Projekt wurde außerdem unterstützt von Irmela von der Lühe und Uwe Naumann.

Schwules Museum*
Lützowstraße 73
10785 Berlin

Veranstalter

Schwules Museum*

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Fax
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Website
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Montag
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Eintrittspreis
7,50 €
Preis ermäßigt
4,00 €

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