Siegfried Wagner: Bayreuths Erbe aus andersfarbiger Kiste

Schwules Museum*

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Vernissage
16.02.2017 19:00 Uhr

Die Geschichte des Wagner-Clans – mit all ihren Verstößen gegen konventionelle Moralvorstellungen, Intrigen, Skandalen, Machtkämpfen um Bayreuth sowie politischen Positionierungen – beschäftigt die deutsche Öffentlichkeit seit 150 Jahren. Der "Grüne Hügel" und die dort seit 1951 alljährlich stattfindenden Festspiele werden von vielen als "Pantheon des deutschen Volkes" betrachtet, als nationales Heiligtum und Kulturgut 1. Güte, das in die Welt hinausleuchtet.

Komponist Richard Wagner (1813–1883) ist dabei die zentrale Figur: eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Musikgeschichte. Mit Büchern zu seinem Leben und Werk kann man ganze Bibliotheken füllen. Darunter finden sich zahlreiche Publikationen zu jener besonderen Faszination, die die Musikdramen Wagners auf Homosexuelle ausüben, etwa Oscar Wildes "Das Bildnis des Dorian Gray" (1891), Oskar Panizzas "Bayreuth und Homosexualität" (1895), Cesare Lombrosos "Genio e degenerazione" (1897), Hanns Fuchs’ "Richard Wagner und die Homosexualität" (1903) und Heinrich Pudors "Richard Wagners Bisexualität" (1907).

Als am 6. Juni 1869 Richard Wagners einziger Sohn Siegfried in der Schweiz geboren wird – benannt nach der heldenhaft anarchistischen und zugleich frauenfürchtenden Opernfigur, die aus der inzestuösen Liaison von Siegmund und Sieglinde hervorgangen ist – war der Philosoph Friedrich Nietzsche anwesend, die Ikone der späteren "Maskulinisten" rund um Adolf Brand, König Ludwig II. ist Taufpate, Mutter Cosima von Bülow ist zum Zeitpunkt der Geburt ihres fünften Kindes und einzigen Knaben noch mit einem anderen Mann verheiratet, und Franz Liszt ist der illustre Großvater. Siegfried war von Anfang an auserkoren, das Erbe des Vaters einmal weiterzuführen: als Musiker, Dirigent, Regisseur und künstlerischer Leiter der Festspiele, die er 1906 von seiner Mutter übernahm und bis zu seinem Tode 1930 in eine moderne neue Ära überführte, zum Ärger vieler reaktionärer Wagnerianer. Daneben komponierte Siegfried insgesamt 18 musikdramatische Bühnenwerke, die zu seinen Lebzeiten sehr erfolgreich in ganz Europa aufgeführt wurden. Und er tritt in der ganzen Welt als gefragter – und gut bezahlter – Dirigent eigener Werke auf sowie speziell der Werke von Richard Wagner und Franz Liszt.

Dass Siegfried homosexuell war und ein für die Zeit erstaunlich offenes schwules Leben führte, war der Familie bekannt und wurde weitgehend toleriert. Erpresser wurden mit Geld aus der Privatkasse zum Schweigen gebracht.

Die Ausstellung "Siegfried Wagner: Bayreuths Erbe aus andersfarbiger Kiste" wird sich erstmals unvoreingenommen der schwulen Seite von Siegfried Wagners Leben und Oeuvre widmen, seine innovative Arbeit in Bayreuth beleuchten, sein Verhältnis zum Nationalsozialismus und dem Antisemitismus analysieren, seinen Lebenspartner Clement Harris und andere intimen Freunde vorstellen, ebenso seinen unehelichen schwulen Sohn Walter Aign (1901–1977). Besondere Aufmerksamkeit wird seinen stark autobiografischen Opern gewidmet, mit historischen Bühnenbildentwürfen und Aufführungsfotos. Die Einzelabteilung „Richard Wagner und die Homosexualität“ zeigt, auf welchem Fundament Siegfrieds Leben aufbaut und warum sein Sohn Wieland zeitlebens Angst hatte, ebenfalls homosexuell zu werden – als Erbe des Vaters und Großvaters.

Medienpartner ist das Opernmagazin Operalounge.de.

Die Ausstellung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft e.V. und dem Richard-Wagner-Museum Bayreuth.

Schwules Museum*
Lützowstraße 73
10785 Berlin

Telefon
+49 (30) 69 59 90 50
Fax
+49 (30) 61 20 22 89
Website
www.schwulesmuseum.…

Zur Ausstellung erscheint ein Essayband, herausgegeben von Achim Bahr.

Montag
14:00 - 18:00 Uhr
Dienstag
Geschlossen
Mittwoch
14:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag
14:00 - 20:00 Uhr
Freitag
14:00 - 18:00 Uhr
Samstag
14:00 - 19:00 Uhr
Sonntag
14:00 - 18:00 Uhr
Eintrittspreis
7,50 €
Preis ermäßigt
4,00 €

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