Sommer-Tipps
9 x Open Air
Minigolfspielen im Park des Hauses am Waldsee, die Wasserbüffel auf der Pfaueninsel besuchen, das frühere Mauergelände an der Bernauer Straße erkunden – in diesem Sommer gibt es viele Möglichkeiten, Kunstgenuss und Naturerlebnis zu verbinden oder unter freiem Himmel auf historische Spurensuche zu gehen. Wir stellen Ihnen Skulpturenparks, neue Open-Air-Ausstellungen und wiedergewonnene historische Ensembles vor.
Figürliche Plastik im Dialog – Georg-Kolbe-Museum
Das Zusammenspiel von Natur und Skulptur im Georg-Kolbe-Museum ist zu allen Jahreszeiten schön. Zur Straße hin abgeschirmt, öffnet sich das ehemalige Atelier Kolbes mit langen Fenstern zum Garten. Dort beschatten hohe Kiefern den strengen 20er-Jahre-Ziegelbau. Ein Skulpturenhof mit den Aktfiguren des Bildhauers vermittelt zwischen Innen- und Außenbereich.
Dieses Jahr feiert das Georg-Kolbe-Museum sein 60-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung, die auch für das Programm des Hauses steht: Die Skulptur der Kolbe-Zeit trifft auf figürliche Plastik der Gegenwart. Während die Generation Kolbes um die autonome Skulptur bemüht war, den Körper selbst zum Gegenstand des Ausdrucks machte – eines verinnerlichten Ausdrucks jenseits der Gesprächigkeit, des Anekdotenhaften der älteren Skulptur –, ist die aktuelle figürliche Bildhauerei wieder bunt, materialreich, oft verwirrend und voller Anspielungen auf die ältere Kunst. In der Ausstellung ergeben sich schöne Paarungen wie Georg Kolbes „Malaiin“ von 1916, deren bronzener Körper von verhaltener Spannung ist – die Hände geballt, die Augen geschlossen – und der jungen Frau von Robert Metzkes in Rock und Spaghettiträger-Hemd, mit demselben Schrittmotiv, aber lässig verschränkten Armen und dem nüchtern-klaren Blick der selbstbewussten Frau von heute.
1910 – Figur 2010. Einhundert Jahre figürliche Bildhauerei. Bis 5. September 2010
Café: Café K im Nachbarhaus, das gleichzeitig mit Kolbes Atelierhaus für die Tochter des Künstlers gebaut wurde. Von der Terrasse aus schaut man in den Museumsgarten und auf Kolbes Tänzerinnenbrunnen.
Anatomie der Grenze – Bernauer Straße
Auf dem ehemaligen Postenweg probiert ein kleines Mädchen sein neues Fahrrad aus. Es ist schön, dass der ehemalige Grenzstreifen an der Bernauer Straße, der jetzt nach und nach zur Gedenklandschaft umgestaltet wird, auch von den Anwohnern als ganz normaler Park genutzt wird. Das Mädchen und sein Vater fallen kaum auf zwischen den vielen Touristen, die vor den rostfarbenen Stelen stehen und Fotos ansehen, Wochenschauberichten lauschen oder Schemata von Grenzanlagen studieren. Kein Ort in Berlin birgt so viele Reste der Mauer, keiner erzählt so viele Geschichten, aber nirgends ist es auch so schwer, die sichtbaren Spuren richtig zu deuten. Denn die Grenze, die anfangs aus den zugemauerten Häusern bestand, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer tief gestaffelten Anlage säuberlich getrennter Elemente, bei der die bekannte Mauer aus Betonfertigteilen nur den äußersten Abschluss nach Westen bildete.
Eine spezielle Situation gab es beim Abschnitt zwischen Gartenstraße und Ackerstraße, der nun als erster Teil der Open-Air-Ausstellung fertiggestellt wurde. Der Sophienfriedhof erstreckte sich einst bis zur Bernauer Straße, bis im Zuge des Ausbaus der Grenzanlagen die Gräber ausgehoben, die Toten umgebettet und das Grundstück planiert wurde. Zeitweilig war die Friedhofsmauer Grenze, in den achtziger Jahren die schlanke Betonmauer, jetzt ist dort wieder ein Stück Friedhofsmauer zu sehen – die Sophien-Gemeinde hatte sie in den neunziger Jahren errichten lassen, weil sie hier kein Mauerdenkmal wollte, sondern wieder ihren Friedhof. Die Mauersegmente, die sie 1997 abtragen ließ, stehen noch mitten auf dem Grundstück, von Kletterpflanzen überwuchert, ebenso wie die Holzkreuze, die an angeblich hier befindliche Massengräber des Zweiten Weltkriegs erinnern sollen. So erzählt dieses Areal nicht nur vom Ausbau der Grenzanlagen und der Kappung der Nord-Süd-Verbindungen – die Bergstraße ist die einzige, die in Berlin auch heute noch abgeriegelt ist –, sondern auch von dem Streit, der nach dem Mauerfall um die Zukunft des Areals und die Art des Gedenkens geführt wurde.
Das Denkmal, das 1998 an der Ackerstraße eingeweiht wurde, friert zwischen seinen hohen Stahlwänden gleichsam die Vergangenheit ein: Hier gibt es noch immer den geharkten Kiesstreifen, auf dem sich die Spuren der Flüchtenden abzeichnen sollten, die Lichtmasten, die Pfosten des Signalzauns, und die Betonmauer ist weder durchlöchert noch Graffiti-besprüht. Neuerdings steht hier auch ein Wachturm, ein baugleiches Exemplar jenes Turms, der bis 1989 an dieser Stelle stand. Während man sich sonst streng an die vorhandenen Spuren hält, an Fundamente, Straßenbegrenzungen, Überbleibsel früherer Mauergenerationen, die mit Hilfe archäologischer Fenster oder rostfarbener Markierungen hervorgehoben werden, hat man hier zum Mittel der Inszenierung gegriffen, um den Besuchern ein einprägsames Bild zu bieten.
Das Mauergelände ist jederzeit zugänglich, das Dokumentationszentrum gegenüber der Gedenkstätte mit der Ausstellung „Berlin, 13. August 1961“ dienstags bis sonntags 9.30 bis 19 Uhr. Vom Aussichtsturm der Gedenkstätte aus ist die breite und lange Narbe im Stadtgefüge, die hier durch den Mauerbau entstand, immer noch gut zu erkennen.
Café: Bistro Grenzfall am Fuß des Aussichtsturms, auch Tische draußen
Gestapo-Gelände – Topographie des Terrors
Auch auf dem Gelände östlich des Martin-Gropius-Baus muss man auf Spurensuche gehen, sind Fotografien, Pläne, aber auch Vorstellungskraft nötig, um sich auszumalen, wie das Areal in den dreißiger Jahren aussah, als sich Geheimes Staatspolizeiamt, SS und Reichssicherheitshauptamt in den Gebäuden längs der Niederkirchnerstraße (damals Prinz-Albrecht-Straße) und der Wilhelmstraße einquartiert hatten. Es waren repräsentative Bauten, aber auch kleinere Geschäfts- und Wohnhäuser, in denen sie ihre Büros einrichteten, um von dort aus Verfolgung und Mord in ganz Europa zu organisieren. Zwar waren auch große Neubauten geplant, aber letztlich kamen nur Zellentrakte für die Verhörten, Garagenbauten für den Fuhrpark und Luftschutzbunker hinzu.
Alle Gebäude wurden im Krieg zum Teil zerstört und in den fünfziger Jahren abgerissen und gesprengt. Von der ehemaligen Kunstgewerbeschule an der Niederkirchnerstraße, Sitz der Gestapo, stehen nur noch die für den Luftschutz verstärkten Kellermauern. Am Boden liegen die Pfeiler des Osttores, durch die die Häftlingstransporte in den Hof fuhren. Auch vom Hotel Prinz Albrecht, in dem die SS-Führung untergebracht war, von dem barocken, von Schinkel klassizistisch umgebauten Prinz-Albrecht-Palais an der Wilhelmstraße und von dem „Angriff-Haus“, in dem der SD seinen Sitz hatte, sind nur noch Reste der Außenmauern und die gepflasterten Einfahrten erhalten. Wo Peter Joseph Lenné einst einen bezaubernden Park angelegt hatte, wächst nun ein wildes Robinienwäldchen und zeugt von der Zeit, als man das hier Geschehene am liebsten vergessen wollte. In den siebziger Jahren konnten sich West-Berliner auf den Pisten zwischen den Robinien im Autofahren üben. Anfang der achtziger Jahre forderte der Verein Aktives Museum dann, auf dem Gelände ein Informationszentrum und einen Lernort einzurichten. Bei Grabungen wurden die Kellerräume einer 1942 errichteten Verpflegungsbaracke der SS entdeckt sowie die Fundamentreste von fünf Zellen des berüchtigten „Hausgefängnisses“ der Gestapo, in dem zahlreiche Gegner des NS-Regimes inhaftiert waren und auch gefoltert wurden. Die Zellenfundamente sind heute als Bodendenkmal unter einer schützenden Sandschicht verborgen und heben sich nur durch eine Einfassung aus der grauen Schotterschicht heraus, die das gesamte Gelände bedeckt.
Von der ersten provisorischen Ausstellung 1987 bis zur Eröffnung des Dokumentationszentrums im Mai dieses Jahres war es ein langer Weg. Jetzt endlich können sich Menschen aus aller Welt hier über die Entwicklung des Terrorregimes informieren – in der Dauerausstellung im Neubau, an den Stationen auf dem Gelände oder auch in der Bibliothek.
Gelände und Dokumentationszentrum sind täglich von 10 bis 20 Uhr zugänglich. Einen kostenlosen Audioguide für die 15 Geländestationen erhält man im Foyer.
Café: Restaurant Gropius im Martin-Gropius-Bau, auch Tische draußen
Vorgarten der Künste – der Kolonnadenhof auf der Museumsinsel
Kaum war das Neue Museum eröffnet, begannen davor schon wieder die Bauarbeiten für das Eingangsgebäude – die Museumsinsel wird noch auf Jahre hin Baustelle sein. Doch wer vom Hackeschen Markt oder vom Lustgarten kommt und auf die Alte Nationalgalerie zugeht, dem präsentiert sich die Insel wieder so schön und nobel wie 1880, als der Kolonnadenhof eröffnet wurde. Die langen, überdachten Säulengänge, deren Vorbild die antiken Wandelhallen sind, verbinden wieder Neues Museum und Alte Nationalgalerie und rahmen die Häuser der Kunst wie einen Tempelbezirk. Wie im Neuen Museum hat man bei der Restaurierung auch hier die Spuren der Zeit sichtbar gelassen – an der Südostecke findet man noch Löcher von Granatsplittern –, die ergänzten Säulen und Gebälkstücke sind am helleren, glatten Stein gut zu erkennen. Zur Spree hin rhythmisieren wieder drei kupferne Kuppeln die Säulenfront.
Der Hof hat ein neues Granitpflaster erhalten, der vierpassförmige Brunnen plätschert wieder, auf den schlichten, halbkreisförmigen Steinbänken ringsum können müde Museumsbesucher ausruhen. Buchsbaumrabatten in verschiedenen Varianten – niedriger und höher, als grüner Teppich oder als Rondell, dunkel oder weiß-grün – strukturieren den Hof. Hier und da sparen sie Karrees für einzelne Bäume oder für die Bronzestatuen aus, die einen Vorgeschmack auf die Sammlung der Alten Nationalgalerie geben. August Gauls würdevoller Löwe, Louis Tuaillons ganz unkämpferische Amazone und Max Kleins neobarocker „Herkules mit dem nemeischen Löwen“ mit den wild ineinander verknäulten Kämpfenden entfalten ihre Wirkung aus der Ferne ebenso wie von nahem.
Einen zusätzlichen Blickfang bildet in diesem Sommer El Anatsuis Installation vor der Säulenfront der Alten Nationalgalerie, ein silbrig schimmerndes Gewebe aus Tausenden auseinandergebogener Flaschenverschlüsse. Die Arbeit, Teil der Ausstellung „Who knows tomorrow“, spielt auf die Geschäfte der Kolonialherren mit den Afrikanern an, bei denen oft Alkohol eine Rolle spielte. Wenige Jahre nachdem die Nationalgalerie errichtet wurde und auf dem Giebel an das Geburtsjahr der deutschen Nation 1871 erinnert wurde, fand nicht weit von hier die Kongo-Konferenz statt, bei der Afrika unter den Kolonialmächten aufgeteilt wurde. „Scramble for Africa“, „Gerangel um Afrika“ hat Yinka Shonibare seine Installation kopfloser Konferenzteilnehmer auf der Empore der nahen Friedrichswerderschen Kirche genannt.
Der Kolonnadenhof ist jederzeit zugänglich.
Who knows tomorrow? Bis 26. September 2010, weitere Ausstellungsorte: Friedrichswerdersche Kirche, Hamburger Bahnhof und Neue Nationalgalerie
Café: Zahlreiche Cafés mit Plätzen draußen auf der anderen Seite der Spree
Was draußen wartet – Oranienplatz
Es gehört zum Reiz der Berlin Biennale, dass sie jedes Mal neue Ausstellungsorte entdeckt – bisher stets in Mitte, diesmal in Kreuzberg. Am Oranienplatz hat der vietnamesische Künstler Ron Tran die Bänke, die den ovalen, nicht besonders eindrucksvollen Platz säumen, in der Mitte zusammengerückt – eine kleine Intervention als soziales Experiment. Von den panoramaartigen Fenstern des ehemaligen Kaufhauses an der Ecke Oranienstraße, das jetzt auf fünf Etagen Kunst zeigt, schaut man auf den Platz herab. Die Aussicht ist eine willkommene Abwechslung von den dunklen Kabinen, in denen Videos gezeigt werden. Doch ist es nicht so, dass sich draußen das wirkliche Leben abspielt und drinnen die Kunst regiert. Im Gegenteil, diese Biennale will die Grenze zwischen Kunst und Außenwelt aufheben. Das beginnt schon mit der Garderobe, die Roman Ondák am Eingang des Gebäudes am Oranienplatz installiert hat: Könnte sie nicht auch ein Überbleibsel aus den Zeiten sein, als das Gebäude benutzt wurde?
Dominierend sind diesmal Filmproduktionen und Fotoarbeiten, von denen viele die Grenze zur Dokumentation, auch zur politischen Agitation streifen. Immer wieder sieht man Szenen von Protestmärschen, Widerstandsaktionen und Konfrontationen, ob in Paris oder Mexiko-Stadt, Israel oder Moskau. Bei anderen Werken spielen die persönliche Erinnerung oder die körperliche Erfahrung der Künstler eine große Rolle, als verbürgten nur sie die Wirklichkeit des Erlebten. Die besten Arbeiten sind aber gerade die, die sich vom Druck der Verhältnisse, Bilder und Erinnerungen lösen und spielerisch mit der Wirklichkeit umgehen oder eine ironische Distanz zu ihr bewahren. Das gilt zum Beispiel für Ferhat Özgürs Kleidertausch-Szene mit seiner traditionell gekleideten Mutter und der modernen Nachbarin. Die beiden älteren Frauen agieren so natürlich, als sei die Kamera gar nicht da. Der Betrachter aber wird Zeuge einer erstaunlichen Verwandlung. Mit Verkleidungen und Rollenspielen arbeitet auch die türkische Künstlerin Nilbar Güreş in ihrer Fotoserie „Çırçır“. Wenn man anschließend draußen auf dem Oranienplatz die Türkinnen in langem Mantel und Kopftuch mit ihren Töchtern in rosa Röckchen und Baseballmützen vorbeigehen sieht, verschwimmen die Grenzen zwischen Kunst und Wirklichkeit für einen Moment tatsächlich.
6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, bis 8. August 2010. Ebenfalls im Umkreis des Kottbusser Tors liegen zwei weitere Ausstellungsorte mit Einzelarbeiten, die Dresdener Straße 19 und die Kohlfurter Straße 1, etwas weiter südlich Mehringdamm 28. Weitere Stationen sind die Kunst-Werke in der Auguststraße und die Alte Nationalgalerie mit Zeichnungen des großen Realisten Adolph Menzel.
Café: Kuchenkaiser, auch Tische draußen
Kultur im Pferdestall – Gutshof Britz
Im alten Dorfkern von Britz scheint die Zeit stehen geblieben: das grobe Pflaster, die Dorfkirche mit der barocken Grabkapelle, das klassizistische Schulhaus, sogar der Teich – alles sieht noch aus wie Ende des 18. Jahrhunderts, als Graf von Hertzberg hier als aufgeklärter Gutsherr wirkte. Beherrschend ist das Gutshaus, Schloss Britz, das im späten 19. Jahrhundert seinen vornehm-englischen Stil erhielt. Hinter dem Schloss erstreckt sich ein alter Park mit gepflegten Rasenflächen und Beeten, üppigen Rhododendren, Springbrunnen und Lindenallee.
Nun erwacht auch der Gutshof nebenan aus seinem Dornröschenschlaf. Nach und nach werden die malerischen Feldstein- und Ziegelbauten restauriert, der Hof wurde neu gepflastert, ein bezaubernder historischer Bauerngarten zur Straße hin angelegt, Maulbeerbäume auf das rückwärtige Grundstück gepflanzt. Ein Kulturzentrum entsteht hier, für die Neuköllner und Gäste aus anderen Bezirken. 2008 zog die Musikschule Paul Hindemith in das frühere Gutsverwalterhaus, im Mai bezog das Museum Neukölln den ehemaligen Pferdestall und die alte Schmiede, der Kuhstall gegenüber wird derzeit zum Konzert- und Veranstaltungssaal umgebaut. 2012 soll das Ensemble, zu dem auch eine Freilichtbühne gehören wird, fertig sein.
Die Gründerzeiträume von Schloss Britz sind dienstags bis sonntags zu besichtigen, die Sonderausstellung „Tabak und Meerschaum – Die weiße Göttin“, die virtuos geschnitzte, figürliche Pfeifenköpfe aus Wien zeigt, läuft bis zum 19. September 2010. Die neue Dauerausstellung des Museums Neukölln „99 x Neukölln“ ist ebenfalls täglich außer Dienstag geöffnet.
Café: Restaurant & Hotel Schloss Britz mit schöner Gartenterrasse (Mittwoch bis Sonntag)
Skulptur im Park – Haus am Waldsee
Der Park der Villa am Waldsee, heute eine bekannte Adresse für zeitgenössische Kunst, hat den Charme eines privaten Gartens. Seinen Kaffee und Kuchen nimmt man einfach an einen der Holztische mit, die auf der Kiesterrasse und ringsum im Gras stehen. Von hier aus hat man einen schönen Blick über die abfallende Rasenfläche auf den stillen, namengebenden See. Alte Buchen, Eichen und Tannen rahmen den Garten und bilden den Fond für Plastiken und Installationen, die manchmal für einige Monate, manchmal auch länger hier stehen. In der Rasenmitte strebt Karl Hartungs bronzene „Flügelsäule“ von 1961 gen Himmel. Alle anderen Werke sind zeitgenössisch.
Olav Christopher Jenssens perforierte weiße Scheiben bilden schon länger interessante Prospekte vor dem Grün, halb decken sie die Landschaft ab, halb rahmen sie sie. Neu hinzugekommen sind in diesem Sommer unter anderem Ina Webers „Trümmerbahnen“, eine Minigolfanlage auf dem Rasenplateau oberhalb des Sees, bei der der Ball durch Miniaturruinen von Bahnhöfen, Plattenbauten, Kirchen und Tankstellen geschlagen wird.
Beim Rundgang durch den Garten muss man oft genau hinschauen oder -hören, um die Kunstwerke zu entdecken. Ein Brennholzstapel unter der Tanne etwa entpuppt sich als getarnte Hütte: Francis Zeischegg hat einen jener „Jagschutzholzstapel“ nachgebaut, die in der DDR zum Aufspüren von Wilderern eingesetzt wurden.
Skulpturenpark, bis Ende 2010. Im Haus zeigen die acht Villa-Romana-Preisträger der Jahre 2009/2010 ihre Arbeiten (bis 15. August).
Café: Briganti, Mittwoch bis Sonntag 12-17 Uhr
Reformgarten am Wannsee – die Liebermann-Villa
Von 1914 bis 1935 waren die Villa und ihr wunderbarer Garten ein Rückzugsort für die kleine Familie Liebermann. Hier am Wannsee war es im Sommer angenehmer als im Stadthaus am Pariser Platz, hier konnte der Maler das Wachsen der noch jungen Bäume miterleben und die Rittersporn-Sorten pflanzen lassen, die in den Gemälden die schönsten Lilatöne ergeben würden. Hier, zwischen Stauden, Birken und den bunten Segelbooten auf dem Wannsee, aber rückten auch die wachsenden politischen Konflikte der Weimarer Republik und die immer offenere Judenfeindlichkeit in die Ferne.
Heute zieht es zahlreiche Besucher in das Sommerhaus des Malers, besonders natürlich im Juni und Juli, wenn der Staudengarten seine ganze Pracht entfaltet, die Rosen blühen und die Kastanie ihr mächtiges Blätterdach ausbreitet. Liebermanns Garten war etwas Besonderes zu seiner Zeit. Während seine nicht weniger berühmten Nachbarn, die Langenscheidts, Arnholds und Hamspohns, noch Landschaftsgärten mit geschwungenen Rasenflächen und Prospekten hatten anlegen lassen, folgte Liebermann, beraten vom Leiter der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark, den Prinzipien des Reformgartens. Zur Straßenseite hin mischen sich Stauden, Gemüse und Obststräucher, und auch die Lindenhochhecke ist ein Element des Bauerngartens. Auf der Seeseite bilden der Terrassenbereich mit den buchsbaumgefassten Beeten, die Rasenfläche mit weiß gestrichenen Bänken und Teepavillon, die geometrischen Heckengärten und der Birkenweg Bereiche für sich, die dem Maler eine Vielzahl von Motiven boten.
Zum 100. Geburtstag der Villa ist hier eine Ausstellung zu sehen, die Liebermanns Sommerhaus-Projekt in den Kontext der Landhausbewegung um 1900 stellt. Auch Malerkollegen wie Lovis Corinth, Max Slevogt, Leopold von Kalkreuth und Wilhelm Trübner schufen sich Refugien im Grünen. Ihre Gartenbilder sind nun zusammen mit den Liebermann-Gemälden ausgestellt.
100 Jahre Liebermann-Villa – Die Idee vom Haus im Grünen. Bis 6. September 2010
Café: Café Max, im ehemaligen Speisesaal und auf der Steinterrasse davor mit Blick über den Garten auf den Wannsee
Spaziergang mit Überraschungen – die Pfaueninsel
Die Überfahrt mit der Fähre dauert nur zwei Minuten, doch sie verstärkt das Gefühl, sich in eine andere Welt zu begeben. Zum 200. Todestag der Königin Luise, die bisweilen auf der Pfaueninsel Abwechslung suchte, präsentiert sich die Insel in der Havelbucht schöner denn je. Zwei Höhenwege sind neu angelegt worden, Sichten wurden freigelegt, die Fontäne jenseits des Bowling Greens zum Sprudeln gebracht, sodass alle Reize der wohldurchdachten Parkanlage wieder zur Geltung kommen.
Das restaurierte Fährhaus empfängt den Besucher, und an der Südostecke der Insel ist der Beelitzer Jagdschirm wieder zugänglich. Es gibt auch wieder Schafe und Hühner an der Meierei, wie zu Zeiten Friedrich Wilhelms III. und Luises, als die „ornamental farm“ in Mode war. Sogar zwei Wasserbüffel mit ihren Kälbern weiden neuerdings auf der Wiese.
Anlässlich des Luisenjahrs wurden sechs Künstler eingeladen, sich von der Atmosphäre und Geschichte der Insel inspirieren zu lassen. Ihre Installationen verteilen sich über die gesamte Insel. Geweihe und ausgestopfte Enten, die den Boden der rindenverkleideten Jagdhütte bedecken, erinnern daran, wie sich die Jagdgesellschaft um Friedrich Wilhelm II. die Zeit vertrieb. Unter den alten Eichen nebenan liegen große Betoneicheln wie zufällig im Gras verstreut. Und wer auf der Bank vor dem Kavalierhaus Platz nimmt, wird seine Überraschung erleben ...
Luise. Die Inselwelt der Königin. Bis 31. Oktober 2010
Das Schloss kann dienstags bis sonntags im Rahmen von Führungen besichtigt werden, die Meierei am anderen Ende der Insel täglich.
Café: Wirtshaus zur Pfaueninsel an der Fähr-Anlegestelle gegenüber der Pfaueninsel, Tische auch im Hof
Annette Meier
Alle Orte im Überblick
9 x Open Air auf einer größeren Karte anzeigen


























