Diese Woche
Kamelienblüte im Botanischen Garten
Mitten im Winter, wenn sich noch nirgendwo Grün zeigt, beginnen sie in verschwenderischer Fülle zu blühen: die Kamelien. Im Botanischen Garten in Berlin-Dahlem haben sie derzeit ihren großen Auftritt. Das Gewächshaus neben dem Großen Tropenhaus hat sich in ein einziges Blütenmeer verwandelt. Weiße, rosa und dunkelrote, gepunktete und gestreifte, rosen- und anemonenförmige, einfache und gefüllte Blüten strecken sich dem Besucher entgegen, und einige duften auch. Nicht nur die aus unseren Vorgärten bekannte Camellia japonica wächst hier, auch viele andere wilde und durch Züchtungen entstandene Sorten. Neben Sträuchern sind ganze Bäume zu sehen, denn die ältesten Kamelien im Botanischen Garten sind über 70 Jahre alt.
Die immergrünen Pflanzen mit den lorbeerartigen, glänzenden Blättern kommen aus Ostasien, wo sie im Schutz lichter Wälder bei hoher Luftfeuchtigkeit bis zu zwölf Meter hoch werden. In chinesischen und japanischen Gärten sind sie als Zierstrauch beliebt, auch bei der japanischen Teezeremonie spielen sie eine Rolle. Die Samurai verwendeten das Öl der Camellia japonica für die Pflege ihrer Schwerter. Zur Gattung der Kamelie gehört auch der Teestrauch, die Camellia sinensis.
Ihren Namen verdankt die Kamelie dem Apotheker und Jesuitenpater Georg Joseph Kamel (1661-1706), der als Missionar auf den Philippinen tätig war und die dortige Pflanzenwelt erforschte. Über 650 Zeichnungen und Herbare schickte er per Schiff an die führenden Botaniker in Europa.
Die ersten Kamelien gelangten 1739 mit der Britischen Ostindien-Kompanie nach England. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Kamelie zur Modepflanze und wurde zum vieldeutigen Accessoire von Alexandre Dumas’ „Kameliendame“. Die Dresdener Gärtnerei Seidel versorgte Adel und Großbürgertum aus ganz Europa mit den exotischen Sträuchern, über tausend Sorten hatte sie im Angebot. In der Nähe von Dresden, im Schlosspark von Pillnitz, steht auch die älteste Kamelie nördlich der Alpen. Der über 200 Jahre alte, mächtige Baum, den im Winter ein Glashaus schützt, bekam diesmal schon im Dezember die ersten karminroten Blüten.
Umrahmt von klassischer Musik sind die Berliner Kamelien am Samstag- und Sonntagabend zu erleben, wenn der Botanische Garten zum Wandelkonzert in die erleuchteten Gewächshäuser einlädt. Während das Große Tropenhaus von Chorgesang erfüllt wird, spielt ein Haus weiter zwischen Kakao- und Kaffeesträuchern das „Duo Marcato“ Gitarre und Flöte, und im kathedralenähnlichen Mittelmeerhaus ertönen Harfenklänge. Auch hier ist der Frühling schon angebrochen, blühen die ersten Pflanzen. An diesem Ort kann man dem grauen Berliner Winter zumindest für einige Stunden entkommen.
Palmensinfonien am 25. und 26. Februar 2012, 18 bis 20 Uhr. Die Karten (15 Euro, ermäßigt 10 Euro. Kinder bis 12 Jahre frei) gelten den ganzen Tag über für den Botanischen Garten und das Botanische Museum.









