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© Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek
Bewegungsstudie Vera Skoronel
© Bildarchiv Georg Kolbe Museum
Georg Kolbe, Tanzstudie Vera Skoronel
© Galerie Johannes Faber
Tanzstudie Claire Bauroff
© Bildarchiv Georg Kolbe Museum
Georg Kolbe, Ruf der Erde
© Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek
Laban Gruppe von Hertha Feist, Tanzstudie "Berufung"
© Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek
Valeska Gert, "Canaille"

Die neue Ausstellung des Georg Kolbe Museums begibt sich auf die Spuren elf bahnbrechender Bewegungskünstlerinnen, deren Strahlkraft weit über ihren direkten Wirkungskontext im Berlin der 1920er-Jahre hinausgeht. Besonderes Augenmerk gilt dem einst so vitalen Dialog der Disziplinen Tanz und Skulptur, den die Schau wiederbelebt, indem sie die vielfältigen Errungenschaften ihrer Protagonistinnen mit aktuellen Werken der Künstlerin Ulla von Brandenburg in Beziehung setzt.

Mit expressiven Bewegungen, extravaganten Erscheinungsbildern und expliziten Vorstellungen von der eigenen Rolle in der Welt sprengte eine Generation junger Tänzerinnen im Berlin der Weimarer Jahre die Konventionen und Klischees ihrer Zeit. Nach Zusammenbruch der Monarchie befand sich die Gesellschaft im Umbruch. Die Republik war noch jung, eine allgemeine Unordnung befeuerte künstlerische Ausdrucksformen, die sich den Normen des Bürgertums, einengenden Genrebegriffen und Gendergrenzen vehement widersetzten.

Das frisch eingeführte Frauenwahlrecht der frühen Weimarer Demokratie führte zu mehr Souveränität der Frauen, die Zulassung von Sportlerinnen zur Olympiade zu mehr Freizügigkeit in der Mode – und bald auch im Alltag zu mehr nackter Haut. Während immer mehr Bürgerinnen von den Möglichkeiten
Gebrauch machten, die vorangegangenen Generationen von Frauen verwehrt geblieben waren, wurden gerade die Tänzerinnen dieser Ära zu Pionierinnen. Ihre radikalen, raumplastischen Konzepte prägten die Gesellschaft und die bildende Kunst. In der regen Kulturmetropole Berlin revolutionierte die fruchtbare Verbindung von Tanz und Skulptur das Verhältnis von Raum, Zeit und Form.

In diesem Kontext sind die Avantgardestücke von Tänzerinnen wie Valeska Gert und Anita Berber zu betrachten, deren Experimente zwischen Mimik, Tanz, Sprache und Laut im Berlin der Weimarer Jahre zahlreiche Skandale provozierten – welche den Künstlerinnen selbst wiederum zu enormer Popularität verhalfen. Als Pionierinnen eines radikal neuen Körper- und Selbstbewusstseins wurden sie zu Ikonen, deren Radius bis in die Gegenwart reicht. Andere einflussreiche Protagonistinnen des neuen Tanzes, die sich als Botschafterinnen einer neuen, von der Reformpädagogik inspirierten Körperbewegung verstanden, waren Hertha Feist, Vera Skoronel und Berthe Trümpy. Auf den Trümmern einer alten Gesellschaftsordnung tanzend wollten auch sie die neue aktiv mitgestalten. Ihre Ideen und Lehransätze machten im wahrsten Wortsinn Schule im Berlin der jungen Republik, wo bald immer mehr Tanzschulen eröffneten, viele von Frauen gegründet und geführt.

Im Blickfeld der Ausstellung „Der absolute Tanz“ stehen insgesamt elf herausragende Tänzerinnen, die während der 1920er-Jahre in Berlin wirkten. Neben den bereits genannten zählen auch Charlotte Bara, Tatjana Barbakoff, Claire Bauroff, Jo Mihaly, Oda Schottmüller und Celly de Rheidt zu den Protagonistinnen der Schau. Wenn die Ansätze und Stile dieser Künstlerinnen sich auch sehr unterschieden, so stechen alle ihre Choreografien und Tänze als Methoden kultureller Selbstgestaltung hervor, die den modernen Tanz durch Aspekte des Skulpturalen bereicherten – und die Bildhauerei durch ihre körperliche Energie und Präsenz. Ausgehend vom Dialog der Disziplinen, der auch im Werk Georg Kolbes eine Schlüsselrolle einnimmt, spürt „Der absolute Tanz“ der weit ausstrahlenden Innovationskraft seiner Protagonistinnen nach. Eine Vielzahl an Zeitdokumenten, Filmen, Fotografien, Skizzen, Zeichnungen und Skulpturen eröffnet neue Zugänge zu den einflussreichen Neuerungen ihrer Zeit.

Der Titel der Schau zitiert eine Begrifflichkeit, die von der Tänzerin Mary Wigman geprägt und daraufhin von der zeitgenössischen Tanzkritik aufgegriffen wurde, um die unumschränkte schöpferische Energie des neuen Tanzes zu beschreiben: So geht es zusammenfassend um eine Generation bahnbrechender Bewegungskünstlerinnen, der es gelang, den Körper in all seiner expressiven, plastischen und politischen Kraft einzusetzen.

Ulla von Brandenburg: „Blaue und Gelbe Schatten“

Ein Tanz der Farben, Stoffe und Körper vollzieht sich in den neuen Arbeiten Ulla von Brandenburgs, die im Ausstellungsraum einen Bogen spannen – von den Weimarer Jahren zur Gegenwart, von der Moderne zur zeitgenössischen Kunst. Im Zentrum der hier erstmals gezeigten Werkgruppe der in Paris arbeitenden Künstlerin steht ihre filmische Arbeit „Blaue und Gelbe Schatten“, welche die Ursprünge und Wirkungsweisen von Farbe erkundet. Textfragmente aus Goethes Farbenlehre treffen auf experimentelle Klangfarben und Körper, die in freier Natur lustvoll interagieren. In drei Akten lässt der Film Bewegung und Farbe verschmelzen, wobei Letztere selbst zur Protagonistin wird.

Inspiriert von der radikalen Erotik der „absoluten Tänzerinnen“ setzt Ulla von Brandenburg ihre langjährige Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel von Körper, Raum und Stofflichkeit fort. In Opposition zum Topos historischer Tableaus feiert ihr Film Körperlichkeit jenseits von Idealen der Jugend. In Kolbes großem Atelier installiert, nimmt das Werk der Künstlerin seine charakteristisch raumgreifende Form an. Die begehbare Inszenierung aus bunten Stoffbahnen und Objekten, deren Farbkonzept sich bildmächtig durch die gesamte Ausstellung zieht, wird von der architektonischen Lichtführung immer wieder neu in Szene gesetzt. Komplementiert wird die Arbeit durch eine Performance, deren filmische Dokumentation später in die Ausstellung einfließt.

Ulla von Brandenburgs Werkgruppe wurde speziell für das Georg Kolbe Museum entwickelt und in Kooperation mit der Veranstaltung „Le Voyage à Nantes“ produziert, in deren Rahmen sie nach Ausstellungsende gezeigt wird. Im Georg Kolbe Museum wird im Zuge der Schau auch das „SCULPTURE Festival“ weitergeführt, dessen Auftaktveranstaltung im September 2020 stattfand.

Öffnungszeiten,

  • Montag-Sonntag 10:00 - 18:00

Standort,

Georg Kolbe Museum
Sensburger Allee 25, 14055 Berlin

Telefon,

+49 (30) 304 21 44

Fax,

+49 (30) 304 70 41

Website,

www.georg-kolbe-museum.d…

Preise,

Eintrittspreis 7,00 €

Preis ermäßigt 5,00 €

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und Mitglieder des Freundeskreises haben freien Eintritt.

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Eintrittspreis

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Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und Mitglieder des Freundeskreises haben freien Eintritt.

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