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Das Verborgene Museum
Mathilde Tardif, o.T. (Empörung), 1898, Mischtechnik, 16,4 x9,3 cm, Slg. Marion Winter, Bayreuth © Das Verborgene Museum
Das Verborgene Museum
Mathilde Tardif, “Blasé“ - Der Dandy, 1898, Mischtechnik auf Papier, Sammlung Marion Winter, Bayreuth
Das Verborgene Museum
Mathilde Tardif, ohne Titel (Brautpaar mit Schwiegermutter), 1902, Mischtechnik auf Papier, Privatbesitz
Das Verborgene Museum
Mathilde Tardif, ohne Titel (Verehrung), 1906, Mischtechnik auf Karton, Privatbesitz

DAS VERBORGENE MUSEUM zeigt erstmals Werke der französischen Malerin MATHILDE TARDIF in einer öffentlichen Einzelausstellung. Nach der corona-bedingten Absage im vergangenen Jahr sind nun ca. siebzig kleinfor-matige Aquarelle und Gouachen der Malerin vom 23. April bis 22. August 2021 zu erleben. Mathilde Tardifs Oeuvre ist sowohl in Deutsch¬land als auch in Frankreich völlig unbekannt und nicht aufgearbeitet.

Die Ausstellung mit Werken der in Marseille geborenen und in Deutschland ge-storbenen Malerin Mathilde Tardif (1872-1929) ist die erste Begegnung mit ihren Gemälden in einer Einzelausstellung. Ca. 70 Werke, zwischen 1897 und 1929 ent-standen, geben erstmals Einblick in das Werk der in den 1890er-Jah¬ren in Paris an der Académie Julian ausgebildeten Malerin.

An der Académie steht Mathilde Tardif in der Tradition der Nabis, einer Gruppe rebellischer junger Kunststudenten um Maurice Denis; sie geht aber sowohl the-matisch als auch malerisch ganz eigene Wege. Die Themen ihrer gesellschaftskri-tischen Beobachtungen findet sie im Alltag der kleinbürgerli¬chen und bourgeoi-sen Gesellschaft und stilistisch lassen sich sowohl Vorbil¬der bei den Symbolisten wie beim Jugendstil finden.

Es war die Zeit der Dritten Französischen Republik (1870-1940) in Paris, der sprichwörtlichen Hauptstadt der Kunst. Unter Einfluss der Impressionisten haben seit Mitte des 19. Jahrhunderts Alltagsthemen Eingang in die Kunst gefunden. Wie Mathilde Tardif beschäftigten auch Theophile-Alexandre Steinlen (1859-1923) die Verhältnisse der kleinen Leute und Henri Toulouse-Lautrec (1864-1901) die zwielichtige Welt der nächtlichen Vergnügungen. Die Intimität des kleinen Formats erfordert eine besondere Konzentration bei der Betrachtung des krassen Elends, der von Tod und Todesahnung Ge¬zeichneten sowie der Sze¬nen käuflicher Liebe. Immer wieder beschäftigt sie der bigotte katholische und evangelische Klerus, die Prostituierten und die Liebhaber sowie die elegante Halbwelt der Vergnügungslokale. Zu ihrem Bildrepertoire gehören Darstellun¬gen gesellschaftlicher Außenseiter, Bettler und Obdachlose, kinderreiche, arme Familien und karikaturesk überzeich¬nete Typen wie der alternde Dandy. Aber auch die kleinen Freuden des All¬tags wie der Nervenkitzel beim Auftritt der Zir¬kusartisten finden sich unter ihren Motiven.

Mathilde Tardif kommt um 1900 in das wilhelminische Berlin, wo Künstlerin¬nen als Malweiber karikiert wurden und noch lange keinen Zugang zur akade¬mischen Ausbildung hatten. Es gelingt ihr aber in der Berliner Secession, dem Forum für die moderne Kunst, ausgestellt zu werden. Zwischen 1901 und 1906 sind u.a. »Die tote Mutter« (1902), »Hochzeit« (1903) und »Obdachlos« (1903) vertreten, drei Werke, die jetzt zum ersten Mal seitdem wieder öffent¬lich zu sehen sind.

1907 heiratet Mathilde Tardif in Berlin den Portrait-Maler Leo Freiherr von König (1871-1944), der zwischen 1894 und 1897 an der Académie Julian stu¬diert hat und den sie in Paris während ihrer Studienzeit kennengelernt hat. In Berlin nehmen sie gemeinsam am gesellschaftlichen Leben teil, wo sie u.a. regelmäßig den Kunst-schriftsteller und Kunstkritiker Julius Meier-Graefe und dessen Frau Anna begeg-nen und Gerhart Hauptmann, die Kunstförderin Ida Dehmel sowie die Malerin Dora Hitz treffen. Mit dem Ehepaar Meier-Graefe unternehmen sie 1908 eine aus-gedehnte Reise durch Spanien.

Einige Zeit nach der Scheidung von Leo von König 1920 geht Mathilde Tardif zu-sammen mit ihrer Tochter Yvonne (1892-1957) und deren Mann, dem Ma¬ler Wal¬ter Becker (1893-1984), nach Frankreich zurück. 1929 setzt sie auf Gut Wolters¬dorf, Brandenburg, ihrem Leben ein Ende.

Die in der Ausstellung gezeigten kleinformatigen Arbeiten basieren auf einer Mischtechnik aus überwiegend Aquarell mit Tempera und Bleistift, die sie auch mit Pastellkreide und Deckweiß bearbeitet hat. Zusätzlich werden Foto¬grafien und Dokumente zu sehen sein, die das Bild der Malerin, der Mutter und der Ehefrau Mathilde Tardif ergänzen.

In den Museumsräumen sind die notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln zu beachten und während des Aufenthaltes ist der vorgeschriebene Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Es kann nur eine begrenzte Anzahl Besucher:innen gleichzeitig Einlass finden. Es besteht von Seiten des Museums eine Dokumentationspflicht zur Kontaktnachverfolgung. Sofern die Verordnungen vom 7. März zum Ausstellungsbeginn noch gelten, ist ein Besuch der Ausstellung nur nach vorheriger Anmeldung möglich.

Öffnungszeiten,

  • Montag-Donnerstag Geschlossen
  • Freitag 15:00 - 19:00
  • Samstag-Sonntag 12:00 - 16:00

Standort,

Das Verborgene Museum
Schlüterstraße 70, 10625 Berlin

Telefon,

+49 (30) 313 36 56

Fax,

+49 (30) 861 34 64

Website,

dasverborgenemuseum.de

Preise,

Eintrittspreis 3,00 €

Preis ermäßigt 1,50 €

Zugehörige Veranstaltung

Eintritt

Eintrittspreis

3,00 €

Preis ermäßigt

1,50 €

Katalog

Ingrid von der Dollen, Die Malerin MATHILDE TARDIF 1872-1929 – Panoptikum der Gesellschaft um 1900, 128 S., Edition Joseph Hierling, Tutzing 2020, 19,- €

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