Ein preußischer Polizeihauptmann in Japan

Friedrich Wilhelm Höhn. Eine Spurensuche 1885-91

Mori-Ogai-Gedenkstätte

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Polizeihistorisches Museum Berlin

Schlendert man heute in Tokyo am Sumida-Fluss entlang in Richtung Sky Tree, dann kommt man an einem großen weißen Torii vorbei: dem Eingang in den Mimeguri-Schrein. In dessen hinteren Teil befindet sich unter dunklen Bäumen ein drei Meter hoher Gedenkstein mit einem kaum noch lesbaren Text, der die Verdienste des preußischen Polizeihauptmanns Friedrich Wilhelm Höhn (1839-1892) bei der Reorganisation der japanischen Polizei und dem Aufbau des kôban-Systems würdigt. Errichtet wurde er 1894, zwei Jahre nach Höhns frühem Tod von Kiyoura Keigo und Yamagata Aritomo.
150 Jahre Meiji-Restauration sind ein willkommener Anlass, an diesen aus dem Oderbruch stammenden Berlin-Brandenburger zu erinnern, der in den Aufzeichnungen der Meiji-Deutschen sonst nur in einer Randnotiz vorkommt. Eine Ursache dafür könnten die ausgedehnten Inspektionsreisen sein, die Höhn während seines Japan-Aufenthaltes 1885-91 von der deutschen Gemeinde in Tokyo weg in die entlegensten Landesteile von Hokkaido bis nach Amami-Ôshima führten. Seine Berichte und Ratschläge hatten nachhaltigen Einfluss auf die Verfestigung des noch heute bestehenden, flächendeckenden kôban-Systems japanischer Polizeistationen.
Höhns Entsendung ging ein Schreiben des damaligen Innenministers Yamagata Aritomo vom 3. April 1884 voraus, für das wiederum der deutsche Gesandte Graf Dönhoff bei Bismarck um Unterstützung warb: Die Bitte, drei preußische Polizeibeamte in Japan als Berater und Ausbilder bei den anstehenden Reformen einzusetzen. Am Ende fiel die Wahl auf E.R. Figaszewski, der die unteren Ränge (junza), also die Streifen- und Verkehrspolizisten trainieren sollte, aus gesundheitlichen Gründen aber bald heimkehrte, und auf Höhn, der für die Ausbildung des gehobenen Dienstes auserkoren war. An der Tokioter Polizeischule unterrichtete Höhn bis 1889 laut Gedenkstein mit Unterstützung von sechs Dolmetschern 1820 Tage und bildete vier Jahrgänge mit insgesamt 513 Polizisten aus, die später wichtige Funktionen bekleideten. Das enorme Pensum seiner Lehrinhalte umfasste: die Struktur der Polizei und der Feuerwehren in Berlin sowie den Zustand der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, die Ziele des Kommunismus (unter Zuhilfenahme einer gekürzten Übersetzung des Kommunistischen Manifestes), die Führung von Verbrecherkarteien und Einwohnermelderegistern, öffentliche Hygiene und Angelegenheiten der medizinischen Polizei (System der Amtsärzte, Überwachung der Apotheken bis hin zur Viehkrankheiten) Arbeitsrechtliche Fragen, Erteilung von Konzessionen, Überwachung des Verkehrs und der Baustellen, Einhaltung der Bauvorschriften, auch beim Wohnungsbau, Lagerung von Lösungsmitteln u.v.a.m.
Der als Wanderausstellung konzipierte Überblick über Höhns Wirken und Schaffen basiert auf dem Nachlass, der 70 Jahre lang mit den Beständen des Japanologischen Institutes (an der Auslandshochschule) der Berliner Universität als verschollen galt und 2015 teilweise in der Polizeihistorischen Sammlung Berlin wiederentdeckt wurde. Neben bislang unbekannten Fotos, auch von der Klöppel-Schule, die Höhns Frau und Tochter in Tokyo gründeten, sollen die noch vorhandenen drei Dienstreisetagebücher für den Katalog transkribiert und Spuren zu den Höhn’schen Sammlungen in verschiedenen Museen verfolgt werden.

Mori-Ogai-Gedenkstätte
Luisenstraße 39
10117 Berlin

Telefon
+49 (30) 282 60 97
Fax
+49 (30) 281 50 68
Website
u.hu-berlin.de/ogai

F.W.Höhn - als preußischer Polizeihauptmann in Japan 1885-91, ab Oktober 2018

Montag - Freitag
10:00 - 14:00 Uhr
Samstag - Sonntag
Geschlossen
Eintrittspreis
5,00 €

Kinder bis 12 Jahre frei.
Führungen nur nach vorheriger Anmeldung: 30,00 € (mindestens 30 Minuten)

Preis ermäßigt
3,00 €

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