Joel Meyerowitz . Why Color?

Retrospective

C/O Berlin

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© Joel Meyerowitz/Courtesy Howard Greenberg
Vernissage
08.12.2017 19:00 Uhr

Wolkenkratzer, Fifth Avenue, Wasserdampf zwischen Kanaldeckeln, Schönheitssalons, Billboards und Diners, eine Gruppe von vier jungen Frauen vor einem Geschäft. Sie schminken ihre Gesichter, blicken in die Kamera oder scheu weg und scheinen vergnügt. Ihre Kleider leuchten bunt, ihre Pumps weiß, ihre Haare sind toupiert und zurechtgemacht. Was wäre dieses Bild aus dem Jahr 1963 ohne Farbe? Vermutlich könnten wir die intensiven Kontraste, die Nuancen und die entscheidenden Details wie das Glitzern der Haarbrosche kaum wahrnehmen – dieses Bild in Schwarz-Weiß wäre wohl kaum so reizvoll oder gar belanglos. Und dann – New York, 1965, ein Mann mit Pudel auf dem Arm oder ein küssendes Paar vor einem Kino am belebten Times Square: hier werden Inhalt und Darstellung durch die grafische Struktur in Schwarz-Weiß unterstützt und machen die Fotografie erst zum Bild.

Es ist dieser Strom aus Alltagsmomenten, aus denen der New Yorker Fotograf Joel Meyerowitz es immer wieder schafft, die überraschenden und manchmal kuriosen Augenblicke herauszufiltern und durch den gezielten Einsatz von Farbe eine ganz eigene Lebendigkeit und malerische Intensität herauszuarbeiten. Der Zufall und sein außergewöhnliches Auge leiten seinen Blick. Er führt uns durch die Straßen, Städte und urbanen Landschaften Amerikas. Ab 1962 beginnt Meyerowitz zu fotografieren und experimentiert von Anfang an mit Farbe, bevor er wenig später auch die Schwarz-Weiß-Fotografie in seine Arbeit integriert. Die besonderen Eigenschaften der Farbfotografie nutzt er an jenen Stellen, an denen das Bild die farblichen Abstufungen und die Leuchtkraft benötigt. Dabei ist Farbe für Meyerowitz nicht allein Ausdrucksmittel, sondern eine Form, die Welt um ihn zu verstehen und zu fühlen, und das in ihrem gesamten Farbspektrum. Während Schwarz und Weiß bei Meyerowitz dann gezielt erst zum Einsatz kommt, wenn es ihm darum geht, die Unterschiede der Bildelemente gestalterisch oder grafisch aufzuzeigen.

Zu Beginn der Fotogeschichte war der Himmel sehr grau und das Diktum der künstlerischen Fotografie und des Fotojournalismus lange Zeit schwarz-weiß. Bereits 1935 kam der erste verwertbare Diapositivfilm auf den Markt, dennoch galt die Farbfotografie bis in die 1980er-Jahre der Werbewelt vorbehalten und damit lange Zeit als vulgär, amateurhaft und kommerziell. Heute hat die Farbfotografie ihren anerkannten Platz in der Kunstgeschichte. Mit seinem Werk aus mehr als fünf Jahrzehnten hat Joel Meyerowitz nicht nur wesentlich zu diesem Paradigmenwechsel beigetragen, sondern viele nachfolgende Generationen sichtbar beeinflusst.

Neben Stephen Shore und William Eggleston erkennt Joel Meyerowitz früh die unverwechselbare Kraft der Farbe und ihre einzigartige bildhafte Qualität. Er ist in klassischer Malerei ausgebildet und zunächst als Werbegrafiker tätig, bevor er 1962 Robert Frank kennenlernt und erstmals eine Pentax-Kamera in der Hand hält und von da an nie wieder aufhört zu fotografieren. Mit dem von einem Werbeauftrag verdienten Geld in der Tasche kauft sich Meyerowitz 1966 einen Volvo und fährt quer durch Europa. Während seiner Zeit im Ausland verbraucht er über 600 Filme und macht zahlreiche Aufnahmen, die sich nahezu sowohl in Farbe als auch in Schwarz-Weiß gleichermaßen aufteilen. Er reist durch England, Frankreich, Deutschland, Italien, Jugoslawien, Griechenland, Ungarn, Marokko und der Türkei. Nach seiner Rückkehr in die USA arbeitet er fast ausschließlich in Farbe und bricht damit nicht nur mit den Konventionen seiner Zeit, sondern etabliert die Fotografie und speziell die Fotografie in Farbe in den künstlerischen Kanon. In dieser Zeit entstehen einige seiner bekanntesten Arbeiten, die ihn bis heute zu einem der wichtigsten Wegbereiter der New Color Photography machen. Spätestens in dieser Phase seiner Karriere zeigt sich die unterschiedliche Arbeitsweise und die entscheidende Bildwirkung der fotografischen Aufnahme mit Kleinbildkamera und Plattenkamera mit schwerem Stativ. Sein Werk als Street Photographer ist sowohl vom Leben der Straße geprägt, als auch von der frühen Farbfotografie. Ab Mitte der 1970er-Jahre entstehen genau komponierte Lichtstudien am Cape Cod an der Ostküste der USA. Als Meister der Farbfotografie fängt er die Unterschiede der frühen Morgenstunden und das Licht kurz vor Beginn der Nacht ein – die grell farbigen Neonreklamen schimmern gegen den dunklen Nachthimmel. Mit dieser besonderen Lichtsituation im Moment des Übergangs von Tag und Nacht entsteht eine unvergleichliche Spannung und ein neues stilbildendes Element im Werk von Meyerowitz. Die New Yorker Aufnahmen aus den 1960er- und 1970er-Jahren sowie die Lichtstudien am Cape Cod ab 1976 zählen bis heute zu den Ikonen der zeitgenössischen Fotografie.

Als einziger Ort und erstmalig in Deutschland stellt C/O Berlin mit der Ausstellung Joel Meyerowitz . Why Color? Retrospective die Vintageprints in Farbe sowie alle wichtigen Schaffensphasen von den 1960er-Jahren bis zur Gegenwart des New Yorker Fotografen vor. Es ist die weltweit erste Austellung, die seine Farbfotografien in Bezug zu den Entwicklungen der frühen Arbeiten in Schwarz-Weiß stellt. Zeitgleich zur Ausstellung erscheint eine neue retrospektive Publikation Where I find Myself, herausgegeben von Laurence King Publishing und Elephant Magazine.

C/O Berlin
Hardenbergstraße 22-24
10623 Berlin

Telefon
+49 (30) 284 44 16-0
Fax
+49 (30) 284 44 16-19
Website
www.co-berlin.org/j…
Eintrittspreis
10,00 €

Online-Tickets: http://bit.ly/1Ot77wb

Preis ermäßigt
6,00 €

Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr haben freien Eintritt

Gruppenticket
Gruppen ab 10 Personen: 8,00 €, ermäßigt 5,00 €

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