Nachbarn hinter Stacheldraht

Das Engländerlager Ruhleben und Kriegsgefangenschaft 1914 bis 1921

Stadtgeschichtliches Museum Spandau / Zitadelle

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Plakat zur Ausstellung © Zitadelle
Vernissage
03.05.2018 19:00 Uhr

Im Rahmen des Jubiläums „Einhundert Jahre Ende Erster Weltkrieg“ widmet das Stadtgeschichtliche Museum Spandau eine Ausstellung dem Thema der Kriegsgefangenschaft. Der Begriff bezieht sich heute allein auf die Internierung von Soldaten, doch gerieten bereits seit August 1914 auch Zivilisten in kriegsbedingte Gefangenschaft. Nach heutigen Erkenntnissen waren im Laufe der Kriegsjahre weltweit über 9 Millionen Menschen in Lagern festgesetzt: ca. 8,4 Millionen Soldaten und etwa 800.000 Zivilisten. Die Einrichtung von Kriegsgefangenen- und Internierungslagern entwickelte sich zum globalen Phänomen.

Eines der damals bekanntesten Internierungslager, das sogenannte „Engländerlager“, befand sich auf dem Gelände der ehemaligen Trabrennbahn in Ruhleben. Dort waren bis zu 5.000 britische (zuweilen auch deutsch-britische) Männer eingesperrt. Einige lebten seit Jahren im Deutschen Reich, andere befanden sich bei Kriegsausbruch zufällig dort. Die Ausstellung vermittelt entlang der Darstellung des „Ruhleben Camp“ ein Stück dieser kaum präsenten Geschichte des Ersten Weltkriegs, wobei an bestimmten Punkten der Blick durch Vergleiche mit anderen (Kriegs-)Gefangenenlagern erweitert wird.

So kann die Entwicklung der Lagerorganisation des Deutschen Reichs am Lager Ruhleben beispielhaft nachvollzogen werden. Zudem – und das ist ein zentrales Moment der Ausstellung – entwickelten die Menschen in nahezu allen Kriegsgefangenen- und Internierungslagern bestimmte Strategien der kulturellen Gegenwehr: Sie organisierten Theater- und Musikaufführungen, Bildungsangebote und Lagerzeitungen. Weitere Ausstellungskapitel nehmen die Unterkunft, die Ernährung sowie den Kontakt zur Außenwelt durch Postverkehr, die Arbeit sowie das Thema Krankheit und Tod in den Blick. Flucht(versuche) und schließlich Heimkehr bilden die letzten thematischen Ausstellungspunkte, mit denen die Überlegungen zu den Dynamiken des Lagerlebens, zur Professionalisierung der Lagerstruktur und zu den menschlichen Reaktionen auf den permanenten Ausnahmezustand hinter Stacheldraht, der den Blick nach draußen ermöglicht und den Weg dorthin brutal versperrt, zur Diskussion gestellt werden.

Da auf dieser Grundlage auch Fragen zu heutigen Lagern aufkommen, wird der Schweizer Künstler Michael Stoll mit einer Installation den Bezug zu den Flüchtlingslagern der Gegenwart herstellen. Er nimmt Fluchtgründe, -routen und -stationen in den Blick, zugleich problematisiert er auch den Schlusspunkt der Flucht: das Ankommen. Die Diskrepanz zwischen Masse und Individuum zieht sich als roter Faden durch die verschiedenen Elemente der Installation: Welches Individuum steht hinter der Verwaltungsnummer? Wie passt das Einzelschicksal in standardisierte Formulare? Wo bleibt die Privatsphäre in Massenunterkünften?

Stadtgeschichtliches Museum Spandau / Zitadelle
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Letzter Einlass
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Preis ermäßigt
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