Neolithische Kindheit

Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930

Haus der Kulturen der Welt

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Paul Klee (Metamorphosen:) der Zusammenbruch der biblischen Schlange, 1940, 324, Kleisterfarbe auf Papier auf Karton, 34,2 x 49,3 cm. Zentrum Paul Klee, Bern Zentrum Paul Klee, Bern
Vernissage
12.04.2018 19:00 Uhr

Ausgehend von den Schriften des antiakademischen Kunsthistorikers Carl Einstein (1885–1940) widmet sich die Ausstellung der Verzweiflung an der Gegenwart und dem drängenden Interesse an einem „Abänderung“ des Humanen, wie sie sich von den 1920er- bis in die 1940er-Jahre in den künstlerischen Avantgarden und den Wissenschaften vom Menschen manifestierten. Neben Kunstwerken werden Publikationen und Archivalien präsentiert, mit denen das intensive Zusammenwirken von bildender Kunst, Politik, Philosophie, Ethnologie, Psychologie und Naturwissenschaften in dieser Epoche historischer Umbrüche und totalitaristischer Projekte anschaulich wird.

Neolithische Kindheit untersucht, wie die künstlerischen Avantgarden auf die multiplen Krisen der europäischen Moderne um 1930 reagiert haben – die „Krise des Bewusstseins“, die Revisionen der Früh- und Vorgeschichtsschreibung, das imperialistische Kräftemessen, die Barbarei des technologischen Massenkriegs, den Schock der kapitalistischen Industrialisierung, das Scheitern der Zweiten (Sozialistischen) Internationale, das Endspiel des bürgerlichen Humanismus und die Heucheleien des Kolonialdiskurses. Der Titel des Projekts, Neolithische Kindheit, geht auf einen Essay von Carl Einstein aus dem Jahr 1930 zurück, in dem dieser die Bildzeichen in der Kunst von Jean Arp als Wiederholung des rituellen, „prähistorischen“ Spiels von Kindern interpretiert. Die empfundene Notwendigkeit, die europäische Zivilisation nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs neu zu begründen, führte zu einer unablässigen Konstruktion solcher Ursprünge und Anfänge – der „Nullpunkt“ wird zur Grenzfunktion der Moderne.

Die Ausstellung zeigt Kunst von Jean Arp, Willi Baumeister, Georges Braque, Claude Cahun, Lux T. Feininger, Max Ernst, Barbara Hepworth, Hannah Höch, Heinrich Hoerle, Valentine Hugo, Paul Klee, Germaine Krull, André Masson, Alexandra Povòrina, Gaston-Louis Roux, Kurt Seligmann, Kalifala Sidibé, Jindřich Štyrský, Toyen, Frits van den Berghe, Paule Vézelay, Catherine Yarrow und anderen. Gleichrangig mit den Kunstwerken werden Druckerzeugnisse und Archivalien ausgestellt, darunter Handschriften und Typoskripte aus dem Carl-Einstein-Archiv der Akademie der Künste in Berlin. Sie gehören zu den vielfältigen materiellen Belegen für die vielfältige und aktive Rolle, die Kunst und Kunsttheorie für die Wahrnehmung und Radikalisierung der Umbrüche um 1930 spielten.

Im Rahmen von Kanon-Fragen

Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin

Telefon
+49 (30) 39 78 71 75
Fax
+49 (30) 394 86 79
Website
www.hkw.de/1930

Eine umfangreiche, reich illustrierte Publikation (Juni 2018) katalogisiert und kontextualisiert die Ausstellung. Zu den Autor*innen gehören u. a. Irene Albers, Joyce Cheng, Anselm Franke, Charles W. Haxthausen, Tom Holert, Susanne Leeb, Jenny Nachtigall, Kerstin Stakemeier, Maria Stavrinaki, Zairong Xiang, Sebastian Zeidler.

Montag
11:00 - 19:00 Uhr
Dienstag
Geschlossen
Mittwoch - Sonntag
11:00 - 19:00 Uhr

1.5. 11-19 Uhr
4.5. 11-22 Uhr
26.&27.5. 11-22 Uhr

Eintrittspreis
9,00 €

Inkl. Ausstellungsführer. Montags & U16 frei. Der Kauf eines Ausstellungstickets berechtigt Sie zu zwei Besuchen der Ausstellung.

Preis ermäßigt
6,00 €
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