Repliken Wissen

Eine Archäologie vervielfältigter Vergangenheit

Tieranatomisches Theater

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Galvanoplastische Repliken der CC-BY-SA Felix Sattler / HU Berlin

Mehr als Originale – Ein Forschungsprojekt und eine Ausstellung widmen sich der weltweiten Verbreitung von archäologischen Repliken und deren vielfältigen Objektgeschichten.

Warum residieren Schlangengöttinnen in Berlin, Oxford, Cambridge, Heidelberg und Paris? Wie kommt der Thron von König Minos an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und welche Rolle spielt er in der legendären Science-Fiction-Serie „Dr. Who“? Und wann wurde der Nestorbecher zuletzt auf der Kinoleinwand gesehen?

Die Ausstellung REPLIKEN WISSEN – Eine Archäologie vervielfältigter Vergangenheit im Tieranatomischen Theater folgt den Spuren solcher Kopien archäologischer Funde. Sie führen in die Sammlungen von Museen und Universitäten, in Justiz-Paläste, Luxusdampfer, Actionfilme und in die zeitgenössische Kunst. Ihre mannigfaltige Deutung und Verwendung heute und in der Vergangenheit zeigen, dass die Geschichte fortlaufend konstruiert wird; zwischen bruchstückhaftem Original und (Re-)konstruktion, zwischen Wahrheit und Mythos.
REPLIKEN WISSEN präsentiert Kopien von Objekten, die auf die minoisch-mykenische Archäologie, also die Forschung zu bronzezeitlichen Kulturen im Mittelmeer-Raum zurückgehen. Besucher_innen können sich auf eine Reise durch vielfältig mögliche Vergangenheiten begeben. Unterschiedliche Kopien desselben Originals lassen die Geschichte als Kaleidoskop erscheinen. Repliken transportieren Wissen selbstständig. Sie verkörpern nicht nur stellvertretend ein „Original“, sondern können seine Bedeutung und selbst seine Wiederherstellung und Gestaltung beeinflussen. Die Repliken der berühmten Schlangengöttinnen Kretas zeigen dies Potential: Die Bruchstücke dieser Statuen aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. wurden von Männern entdeckt und von einem männlichen Standpunkt aus rekonstruiert – ihre Geschlechtsmerkmale wurden höchstwahrscheinlich übersteigert. Die Repliken dieser Frauenfiguren wurden allerdings zur Verkörperung feministischer Vorbilder in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Sie tauchen zum Beispiel in den Werken der Künstlerinnen Marina Abramovic und Judy Chicago auf.

In künstlerischen und musealen Präsentationsformen werden antike Mythen, wissenschaftliche Fakten und populäres Wissen miteinander ins Spiel gebracht. Wie entstanden unterschiedliche Ausformungen und Motive desselben Fundstücks? Welche Geschichten, Beweggründe und Entscheidungen stecken dahinter? Und welche Prozesse lassen bestimmte Objekte zu Ikonen aufsteigen, die Wissenschaft, Kunst und Popkultur inspirieren? Die Ausstellung lässt verschiedene Akteure der Archäologie, Geschichte und (Re-)Produktion von Repliken in Dialog treten. In einem „Replica Maker Space“ werden Techniken, Materialien und Herstellungskontexte von archäologischen Repliken plastisch und greifbar und offenbaren so Wissen um die Möglichkeiten vergangenen Lebens und aktueller Verwendung. Für eine experimentelle Zusammenarbeit konnte der Illustrator Jan Stöwe gewonnen werden. Als großformatige Rauminstallation hat er die Geschichte einer prominenten Replik gestaltet; die 1913 am Internationalen Strafgerichtshof installierte Thronreplik von König Minos offenbart Geschichtsinterpretationen zwischen antiken Mythen und politischen Winkelzügen.

Führungen

Zu allen jeweils laufenden Ausstellungen sowie zur Geschichte des Tieranatomischen Theaters bieten wir Führungen an. Die Ausstellungsführungen können immer mit einem Rundgang durch das Haus verbunden werden. Außerdem bieten wir einen kostenlosen Audioguide vor Ort oder als App für Ihr Smartphone im iTunes-Store an.

Impressum

Die Ausstellung wurde im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojekts am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik und im Basisprojekt „Mobile Objekte” des Exzellenzclusters »Bild Wissen Gestaltung« in Kooperation mit dem Winckelmann-Institut für Klassische Archäologie an der Humboldt-Universität entwickelt. Das Projekt wird gefördert im Programm „Fellowship Internationales Museum“ der Kulturstiftung des Bundes. Die griechisch-britische Archäologin Dr. Anna Simandiraki-Grimshaw (Kuratorin) konnte im Rahmen des Fellowships als Post-Doc Wissenschaftlerin für 18 Monate an der Humboldt-Universität forschen und hat die Ausstellung gemeinsam mit Felix Sattler (Idee, Kurator & künstlerische Leitung), Konrad Angermüller (Gestaltung) und dem Team des Tieranatomischen Theaters konzipiert und realisiert.

Weitere Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft & Bild-Kunst

Besonderheiten
Speziell geeignet für Rollstuhlfahrer
Treffpunkt
Eingangsbereich des Tieranatomischen Theaters
Sprachen
Englisch, Deutsch

Tieranatomisches Theater
Philippstr. 12/13, Haus 3 (Campus Nord)
10115 Berlin

Zugehörige Ausstellung
Repliken Wissen
Laufzeit: 16.09.2017 bis 31.03.2018

Telefon
+49 (30) 20 93-466 25
Führungsbuchungen
+49 (30) 2093-466 25
Fax
+49 (30) 12881
Website
www.kulturtechnik.hu-berlin.d…
Preis
40,00 €

Preis je Gruppe bis zu 20 Personen, kein zusätzlicher Eintrittspreis, Vereinbarung per E-mail

Anmeldung/Buchung

welcome@tieranatomisches-theater.de

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