30 Jahre Friedliche Revolution
Tipps zum Mauerfall-Jubiläum

Vor 30 Jahren endete die Deutsche Teilung mit dem Fall der Berliner Mauer. Das Ereignis war der Höhepunkt eines lange andauernden demokratischen Prozesses und des mutigen Engagements hunderttausender DDR-Bürger*innen, das als "Friedliche Revolution" in die Geschichte eingegangen ist. Zum Anlass des Jubiläums fand in Berlin vom 4.–10. November eine große Festivalwoche statt. Noch den ganzen November über und bis ins Frühjahr 2020 hinein laden zahlreiche Sonderausstellungen zum gemeinsamen Erinnern, Reflektieren und Erleben der "Wende" ein. Wir haben für Sie 12 Highlights aus den Berliner Museen und Gedenkstätten zusammengestellt.

© Helga Paris. Quelle: ifa (Institut für Auslandsbeziehungen)

Akademie der Künste
Helga Paris – Retrospektive

Helga Paris (*1938), eine der berühmtesten DDR-Fotografinnen, studierte Mode und brachte sich das Fotografieren selbst bei. In einem Gespräch mit der Berliner Zeitung erklärte sie: "Ich komme damit klar, wie es gekommen ist mit unserem Land. Es gibt keine Versuchung, es mir wiederzubeschwören, keine Melancholie, auch keinen komödiantischen Spott. Meine Fotos sagen, was ich zu sagen hatte. Ich habe die vielen Gesichter mit herübergenommen in die neue Zeit, damit nichts vergessen wird.“ Alle 257 Werke haben mit Helga Paris zu tun, zeigen ihre Fotokunst, die aus Menschenliebe entsteht. Neben den einfühlsamen Porträts sind erstmals auch ihre umfangreichen Stadt-Serien "Leipzig, Hauptbahnhof" (1978), "Moskau" (1991/92) und "Mein Alex" (2011) in Ausschnitten zu sehen. Akademie der Künste, 8.11.2019–12.1.2020, Di–So 11–19 Uhr.

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© Else Bechteler-Moses

Bröhan Museum
Ostdeutsche Porträts 1989–1990

In der Umbruchphase von 1989/90 ergriff der Münchner Fotograf Stefan Moses die Chance, seine Serien zu den Deutschen auf den Osten des Landes ausweiten. Mit seinen Porträts setzte er einer Gesellschaft im Wandel ein fotografisches Denkmal. Seine Fotografien vermitteln, dass es bei der Wiedervereinigung um weit mehr als Politik ging. Trotz sichtbarer Narben der Vergangenheit und Skepsis gegenüber der Zukunft stehen Sympathie, Identifikation und Menschlichkeit im Mittelpunkt. Die erste Präsentation 1991 im Deutschen Historischen Museum war eine „künstlerische Berichterstattung“. Heute offenbart sich die zeit- und grenzenlose Bedeutung der Porträts. Bröhan Museum, 8.11.2019–19.4.2020, Di–So 10–18 Uhr.

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© Wolfgang Tillmans

C/O Berlin
No Photos on the Dance Floor!

Mit dem Fall der Mauer eigneten sich junge Hausbesetzer, Künstler, Galeristen und DJs die Stadt Berlin auf ihre ganz eigene Weise an und schufen insbesondere eine Club- und Kunstszene voller Freiheit und Anarchie. Diese wurde zum Motor für die Wiedererstehung der Stadt und für eine kreative Neuausrichtung junger Kunstschaffender. Die elektronische Musik lieferte den passenden Soundtrack der turbulenten Umbruchszeit. Die Clubkultur eröffnete Möglichkeiten für neue künstlerische Ansätze und spiegelte diese zwischen Video, Film, Projektion und Musik oszillierenden Gestaltungsformen. Bis heute ist die Berliner Clubszene ein internationaler Schmelztiegel, von dem zahlreiche Impulse ausgehen. Nachts wird die Ausstellungsfläche selbst zum Club, der zum Durchtanzen und zum künstlerischen Ausleben einlädt. C/O Berlin, 13.9.–30.11.2019, täglich 11–20 Uhr.

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DDR Museum
Aufbruch ins Ungewisse

Das einundvierzigste und letzte Jahr war zugleich das spannendste der gesamten DDR-Geschichte. Zwischen dem 7. Oktober 1989 und dem 3. Oktober 1990 überschlugen sich die Ereignisse: Das Volk stürzte die SED-Führung und erzwang die Öffnung der Mauer, am Runden Tisch entstand eine neue Form der Demokratie, es fanden die ersten freien Wahlen statt. Dabei siegte die konservative Parteienallianz mit ihrem Votum für eine schnelle deutsche Einheit. Diese wurde allen wirtschaftlichen Bedenken zum Trotz entschlossen durchgezogen. Die Sonderausstellung hinterfragt, was diese Ereignisse für die Menschen in ihrem alltäglichen Leben konkret bedeuteten. DDR Museum, ab 28.11.2019, täglich 10–20 Uhr, Samstag 10–22 Uhr. Eröffnung mit Vortrag von Dr. Jürgen Danyel, Historiker ZZF, Potsdam am 27.11., 18 Uhr.

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© ENM. Foto: Andreas Tauber

Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde
Mauern / Walls

Drei europäische Städte, die im 20. Jh. spezifische Teilungserfahrungen machten, im fotografischen Porträt: Berlin, Gorizia/Nova Gorica und Sarajevo. In Berlin und Gorizia führten die Neuordnung nach 1945 und der „Kalte Krieg“ zu neuen Grenzen zwischen konkurrierenden politischen Systemen. Sarajevo wurde im Bosnienkrieg 1992 zur belagerten, von Demarkationslinien durchzogenen Stadt. Der Vergleich zeigt, dass Grenzen und Mauern sehr Unterschiedliches bedeuten können. In Gorizia entstand an der jugoslawisch-italienischen Grenze in den 1950ern ein kleiner Grenzverkehr. Im belagerten Sarajevo schützten selbsterrichtete Mauern vor Scharfschützen. Berichte von Menschen, die Teilung und Flucht persönlich erlebten, ergänzen die Fotografien. Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, 20.9.–22.12.2019, Di–So 10–18 Uhr.

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© Miniatur Wunderland Hamburg

Forum Willy Brandt
Geteilte Stadt. 1945–1990

Vor 50 Jahren wurde Willy Brandt in Bonn zum ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler gewählt Bis heute steht sein Name für eine Politik des Friedens und der Versöhnung. Mit dem Fall der Mauer ging für den ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin ein Lebenstraum in Erfüllung. Zur Neueröffnung des Forums in der Behrenstraße läuft eine ungewöhnliche Sonderausstellung vom Miniatur Wunderland Hamburg zum Leben in der ehemaligen Frontstadt des kalten Krieges. Sieben Dioramen zeigen den wechselvollen Alltag der Menschen in Ost und West an einer fiktiven Berliner Straßenkreuzung. Man kann in das Leben im Mauerschatten eintauchen und die dramatischen Auswirkungen der Nachkriegszeit, des Mauerbaus und der Friedlichen Revolution im Kleinformat nacherleben. Forum Willy Brandt, 1.11.2019–30.4.2020, täglich 11–17 Uhr.

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© Stiftung Berliner Mauer, Foto: Simons

Gedenkstätte Berliner Mauer
1961 | 1989. Die Berliner Mauer

Dieser zentrale Erinnerungsort an die deutsche Teilung, am historischen Ort in der Bernauer Straße erstreckt sich über 1,4 km auf dem ehemaligen Grenzstreifen. Auf dem Areal befindet sich das letzte Stück der Berliner Mauer, das in seiner Tiefenstaffelung erhalten geblieben ist und einen Eindruck vom Aufbau der Grenzanlagen zum Ende der 1980er-Jahre vermittelt. Weitere Reste und Spuren der Grenzsperren sowie die Darstellung der dramatischen Ereignisse an diesem Ort machen die Geschichte der Teilung exemplarisch nachvollziehbar. Eine multimediale Ausstellung mit zahlreichen Objekten, biografischen Dokumenten und audiovisuellen Medien verbindet die politischen Ereignisse mit der Alltagsgeschichte. Gedenkstätte Berliner Mauer, Dauerausstellung, Di–So 10–18 Uhr.

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Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Gedenkstätte Hohenschönhausen
Stasi in Berlin

Die Stasi war mehr als die Zentrale in Lichtenberg oder das Untersuchungsgefängnis in Hohenschönhausen. Allein in Berlin dienten der Geheimpolizei 4200 Adressen für die flächendeckende Überwachung und Verfolgung von Andersdenkenden. Die Ausstellung zeigt die Dimension dieser staatlichen Repression in Ost- wie auch in West-Berlin. Auf einem begehbaren, 160 qm großen Luftbild kann man mit Hilfe von Tablets zahlreiche Dienstobjekte und tausende konspirative Wohnungen erkunden. Fotos, Videos und Schriftstücke verdeutlichen das Ausmaß der Überwachung. Anhand individueller Schicksale sind Überwachungsmaßnahmen, Entführungen und Verhaftungen dargestellt. Überraschend ist, wie stark die Stasi auch im Westteil der Stadt präsent war. Gedenkstätte Hohenschönhausen, 29.3.2019–31.3.2020, täglich 9–18 Uhr.

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© Jose Dávila. Foto: Enrique Macías Martínez

Gropius Bau
Durch Mauern gehen

Ausstellungen zu Geschichte und Hintergründen des Mauerfalls vor 30 Jahren gibt es viele, wie diese Zusammenstellung belegt. Der Gropius Bau wählt einen anderen Ansatz und versammelt 28 internationale Künstler*innen mit ihren Statements. Lange galt der Fall der Mauer als wichtigstes Symbol für den Utopismus des 20. Jahrhunderts. Doch Populismus und extreme nationalistische Positionen bereiten spalterischen Ideologien den Weg. Die ausgestellten Werke – Malerei, Skulptur, Fotografie, Film, Audioinstallation, ortsspezifische Intervention und Performance – antworten auf diese Entwicklungen. Sie untersuchen auf Teilung basierende Machtstrukturen und richten den Blick auf damit einhergehende individuelle und kollektive Erfahrungen. Gropius Bau, 12.9.2019–19.1.2020, täglich außer Dienstag 10–19 Uhr.

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© Stiftung Haus der Geschichte/Bernd-Horst Sefzik

Museum in der Kulturbrauerei
Deutschland wird eins

Im November 1989 waren viele Deutsche vom Mauerfall überwältigt. Das SED-Regime beugte sich dem Druck und beschloss zügig den Abriss der Grenzanlagen. Der Abbau der knapp 1.400 km innerdeutscher Grenze begann zunächst willkürlich und unkoordiniert und dauerte bis Mitte der 1990er-Jahre. Im Herbst 1989 dokumentierten sechs Fotografen (Bernd-Horst Sefzik, Gerhard Zwickert, Eberhard Klöppel, Peter Leske, Werner Schulze und Heinz Dargelis) die Grenze von der Ostsee, über Berlin bis zum Dreiländereck in Bayern aus individuellem Blickwinkel. Die Fotografen zeigten sich fasziniert vom veränderten Grenzalltag und der technischen Seite der Grenzanlagen. Deren Spuren haben teilweise bis heute überdauert. Museum in der Kulturbrauerei, 23.10.2019–19.4.2020, Di–So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr.

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Jürgen Hohmuth

Museum Pankow
Graustufen

Die Geschichte der DDR ist bis heute von Klischees und dem Streit um Deutungshoheiten geprägt. Unumstritten ist, dass der lange Arm des Staates mit seiner Organisation und seinen Kontrollmechanismen tief ins private Leben der Bevölkerung reichte. Deren Alltag bildete den Rahmen für Anpassung und Widerstand und verweist beständig vom Privaten auf das große Ganze. Die Ausstellung thematisiert diesen Alltag mit Fotos von Jürgen Hohmuth, literarischen Texten und historischen Objekten. Die Fotografien aus den 1970er/80er-Jahren von Wohnungen, Läden, Arbeitsstätten, Freizeitplätzen und Menschen gehen eine aufschlussreiche Wechselwirkung mit Gedichten, Romanauszügen, Anekdoten, Erzählungen von DDR-Literaten und historischen Objekten ein. Museum Pankow, 7.6.2019–19.1.2020, Di–So 10–18 Uhr.

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© BStU / Popa

Stasi-Unterlagen-Archiv
Einblick ins Geheime

Im Stasi-Unterlagen-Archiv lagern 111 Kilometer Akten, in denen vielfach persönliche Daten über Menschen gespeichert sind – gesammelt vom Staat. Die Ausstellung macht die Bedeutung dieses Archivs begreifbar. Die 5700 verschiedenen Karteien (mit circa 41 Millionen einzelnen Karteikarten) zählen zu den wichtigsten schriftlichen Überlieferungen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Überwiegend beziehen sie sich auf Personen und enthalten ganz unterschiedliche Informationen, von allgemeinen Sachverhalten bis hin zu intimen Details. Auf vier Etagen erzählt die Ausstellung, wie die Unterlagen entstanden und verdeutlicht anhand von Einzelschicksalen, welche Auswirkungen dies auf die Betroffenen hatte. Stasi-Zentrale, Dauerausstellung, Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr.

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