Einfluss-Sphären
Die Wappensäule am Kreuzkap

Eine Wappensäule demonstrierte Ende des 15. Jahrhunderts den portugiesischen Herrschaftsanspruch am Kreuzkap in Namibia. Heute steht sie im Deutschen Historischen Museum.

Portugiesische Wappensäule vom Kreuzkap, vor 1486. Kalkstein, Sockel Sandstein, gemeißelt, 354 x 70 x 70 cm. Deutsches Historisches Museum.
Foto: © DHM

Zur Ausstellung des Deutschen Historischen Museums  „Novos Mundos - Neue Welten. Portugal und das Zeitalter der Entdeckungen" im Winter 2007/2008 gehörte ein Exponat, das in den Ausstellungsräumen nur auf dem Bildschirm zu sehen war, denn es steht fest und schwer und unverrückbar in der Dauerausstellung im Zeughaus: die Wappensäule vom Kreuzkap.

Während der rasanten Erkundung der Westküste Afrikas durch portugiesische Seefahrer, die 1488 bis zur Südspitze des Kontinents führte und schließlich um das Kap der Guten Hoffnung in den  Westen Indiens, kamen sich die Portugiesen rasch mit den Spaniern ins Gehege, die ihre eigenen Interessenssphären gewahrt wissen wollten. So einigte man sich in mehreren Verträgen auf nicht weniger denn die Aufteilung der Welt. 1479 wurde im Vertrag von Alcáçovas eine wenig südlich der Kanarischen Inseln verlaufende Ost-West-Linie gezogen, südlich derer die Portugiesen schalten und nördlich derer die Spanier walten sollten. 1494 war eine atlantische Trennlinie zu finden, und im Vertrag von Tordesillas legte man einen Meridian ca. 370 Meilen westlich der Kapverden fest. Westlich davon sollten die Spanier herrschen, östlich davon die Portugiesen.

Der Herrschaftsanspruch selbst verlangte nach einem (weithin) sichtbaren Zeichen wie der Wappensäule vom Kreuzkap. Vor 1486 entstanden (1485/86 kam Diego Cão zum Cape Cross), ist die Kalksteinsäule mehr als 3,50 Meter hoch. Sie zeigt, gekrönt von einem Kreuz, das portugiesische Wappen und gibt in Latein kund, dass sie 6685 Jahre nach Erschaffung der Welt und 1485 Jahre nach Christi Geburt auf Befehl König Joãos II. errichtet wurde. Zu uns kam die Säule 1893, als das Deutsche Reich Deutsch-Südwestafrika in Besitz nahm, zuerst nach Kiel, dann, 1901, in das Berliner Museum für Meereskunde, 1952 schließlich ins Museum für Deutsche Geschichte in Ost-Berlin, das im Deutschen Historischen Museum aufgegangen ist.

An ihrem ursprünglichen Ort in Namibia ließ Kaiser Wilhelm II. eine Nachbildung aufstellen, nicht ohne sich selbst als Auftraggeber darauf zu verewigen.

Gerhard Riecke

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