Die Opferkammern des Metjen, Merib und Manofer
Vom Leben nach dem Tod

Der Gedanke, der Tod könnte das Leben für immer beenden, scheint den Menschen von jeher unerträglich zu sein. Daher hat fast jede Kultur Vorstellungen entwickelt, wie die Seele nach dem Tod im Jenseits fortexistiert.

Staatliche Museen zu Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Foto: Rolf Kriesten
Grabkammer des Merib Eingangsbereich, Altes Reich, 4. Dynastie, 2639-2504 v. Chr., Kalkstein.

So auch die alten Ägypter: Sie richteten schon ihre diesseitige Existenz ganz auf ein Weiterleben nach dem Tod aus. Riesige Pyramiden, beeindruckende Totentempel und aufwändig gestaltete Grabstätten zeugen von ihrem unerschütterlichen Glauben an ein ewiges Leben. Diese Bauwerke für die Ewigkeit wurden meist schon zu Lebzeiten ihres Eigentümers errichtet, um im Todesfall nicht unvorbereitet zu sein. Die Anstrengungen, das neue Dasein zu garantieren, waren vielfältig und nicht nur auf die Architektur des Grabes beschränkt. So wurde der Körper nach dem Ableben sorgsam einbalsamiert und als Mumie in Sarkophagen im Grab verwahrt. Kostbare und nützliche Grabbeigaben sollten den Toten das neue Leben so angenehm wie möglich gestalten.

Opferkammer des Merib
Opferkammer des Merib,
Neues Museum, Raum „Ewiges Leben“, Eingang zur Opferkammer des Merib, Ende 4. Dynastie, um 2450 v. Chr., Memphis/Giza
© Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Achim Kleuker

Als Karl Richard Lepsius nach seiner Ägyptenexpedition 1845 nach Berlin zurückkehrte, brachte er an die 1500 Altertümer mit. Ganze Grabstätten waren natürlich nicht darunter, wohl aber drei Opferkammern. Sie wurden einst für drei hohe ägyptische Beamte errichtet und sind nun im Neuen Museum seit 70 Jahren das erste Mal wieder vollständig zu sehen. Eindrucksvoll wurden sie Stein auf Stein im Neuen Museum wieder aufgebaut. Sie ermöglichen so einen kleinen Eindruck von der Monumentalität und detailreichen Ausgestaltung ägyptischer Grabbauten.

Neues Museum, Grundriss Ebene 1.
Neues Museum, Grundriss Ebene 1,
Gelb markiert ist der Historische Saal mit dem Ausstellungsteil "Ewiges Leben", in dem sich die Grabkammern befinden
© David Chipperfield Architects

Die älteste Kammer entstand um 2600 v. Chr. für Metjen, Verwalter im westlichen Nildelta, Oberjägermeister und Hohepriester. Die Kammer ist vollständig mit Reliefs und Inschriften bedeckt und damit die erste bekannte dieser Art. Wie die meisten ägyptischen Reliefs werden diese einst farbig gefasst gewesen sein, einzelne Reste sind noch zu entdecken. Die Hieroglyphen der Wände erzählen vom Leben Metjens, von seiner Laufbahn und seinen Besitzungen – die früheste biografische Inschrift in Ägypten. Auch die Kammer des Merib von etwa 2450 v. Chr. ist mit Reliefs geschmückt. Wie auch in der Kammer des Manofer, um 2300 v. Chr. Beamter am Hofe des Königs Asosi und verantwortlich für Kopfschmuck und Perücken, fügen sich Einzelszenen und Text zu einem vielschichtigen Bild des Lebens in der Pyramidenzeit. Zentral und immer wiederkehrend ist natürlich die Figur des Verstorbenen. Er sitzt vor dem reich gedeckten Tisch, Priester bringen ihm Opfergaben. Von Frau und Kindern begleitet, inspiziert er, was seine Diener herbeischaffen und zum Mahl vorbereiten – Ochsen, Kraniche, Brot, Milch und anderes. Nicht nur die Bilder, sondern auch die Inschriften verzeichnen Listen mit Kleidung, Geräten und Nahrung, derer er im ewigen Leben bedarf. Die Bilder der Opfergaben, der Lieferung und gar der Herstellung wurden als realer Ersatz der tatsächlichen Opfer verstanden. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass alles vorhanden war, auch wenn die Priester nicht wie vorgesehen Opfergaben vor den Scheintüren der Kammer – vorgetäuschte Durchgänge zwischen Grab- und Opferkammer, die der Verstorbene aber durchschreiten konnte – ablegten. Wie die Reliefbilder entstanden, kann man in der unvollendeten Grabkammer des Manofer nachempfinden. Von der Vorzeichnung über die Abtragung des Hintergrundes bis hin zur farbigen Ausgestaltung von Darstellungen und Schrift sind die verschiedenen Phasen des Arbeitsprozesses hier erhalten geblieben.

Nadja Mahler

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