Zur Geschichte des Neuen Museums
Wiedergeburt eines Meisterwerks

Prächtig steht es nun wieder neben seinen Gefährten auf der Museumsinsel. Die Wunden durch Krieg und Vernachlässigung wurden geschlossen, an den Narben sieht man ihm aber noch die bewegte Vergangenheit an.

Abb. aus: Friedrich August Stüler, Das neue Museum in Berlin, Berlin 1862.
Neues Museum, Skizze der Ostfassade von Friedrich August Stüler

Seit dem 17. Oktober 2009 kann das Neue Museum nach fast 70 Jahren wieder seinem Zweck nachkommen: einzigartige Sammlungen für das Publikum zugänglich zu machen. Zwischen 1823 und 1830 hatte Karl Friedrich Schinkel für den preußischen König Friedrich Wilhelm III. das „Königliche Museum“, das heutige Alte Museum, errichten lassen. Es sollte die königlichen Kunstsammlungen aufnehmen und den Bürgern als Bildungseinrichtung offenstehen. Doch schon elf Jahre später gab der nun regierende Friedrich Wilhelm IV. den Auftrag zum Bau eines neuen Museums.

Neues Museum, Eingang
Neues Museum, Eingang, Ostfassade,
Aufnahme von 2009
© Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Achim Kleuker

Das klassizistische Gebäude am Lustgarten konnte die ständig wachsenden Sammlungen nicht mehr aufnehmen. Friedrich August Stüler, Schüler Schinkels, übernahm den Entwurf. Und er plante nicht nur das Neue Museum, sondern lieferte gleich einen Masterplan für die weitere Gestaltung der Insel, ganz nach der Verfügung des Königs, „die ganze Spreeinsel hinter dem [Alten] Museum zu einer Freistätte für Kunst und Wissenschaft umzuschaffen". Doch zu Stülers Lebzeiten wurde nur das Neue Museum erbaut, die Alte Nationalgalerie vollendete ein anderer Baumeister. Dennoch orientierten sich auch die später auf der Museumsinsel tätigen Architekten an seinen Entwürfen.

Neues Museum, Ägyptischer Hof
Neues Museum, Ägyptischer Hof, Lithografie nach einem Aquarell von Eduard Gaertner,
Abb. aus: Das Neue Museum in Berlin, 1862.

Stülers Bau war eine technische Meisterleistung. Die gerade einsetzende Industrialisierung ermöglichte neue Verfahren, die hier zum Einsatz kamen: Eine Dampfmaschine rammte die Pfähle in den Boden, betrieb die Aufzüge und die Pumpen zur Entwässerung der Baugrube, eine Hilfseisenbahn brachte Material herbei. Bauhistorisch bedeutend sind aber vor allem die innovativen Eisenkonstruktionen, die sich hinter der schlichten Fassade verbergen. Sie wurden als standardisierte Bausätze bei Borsig seriell gefertigt und erst vor Ort zusammengesetzt. Obwohl Stüler die Konstruktion hinter Verkleidungen versteckte, war das neue Bauen doch überall spürbar, sei es in dem Gewölbe des Sternensaals oder dem stützenfreien Glas-Eisen-Dach, das einst den Ägyptischen Hof überspannte.

Neues Museum, Treppenhalle um 1850 mit den Wandbildern von Kaulbach
Neues Museum, Treppenhalle um 1850 mit den Wandbildern von Kaulbach,
Abb. aus: Berlin und seine Kunstschätze, Leipzig und Dresden, ca. 1850.

Das Neue Museum setzte auch mit seiner prunkvollen Innenausstattung Maßstäbe. Sie orientierte sich eng an den Objekten, die hier ausgestellt werden sollten: antike Skulpturen und Gipsabgüsse, die im Alten Museum keinen Platz mehr fanden, die prähistorischen und besonders die ägyptischen Sammlungen. Ein Panorama der Menschheitsgeschichte sollte sich in den Räumen entfalten. Die historischen Zusammenhänge sollten durch dieses neue Museumskonzept im Architektur- und Bildprogramm und in den Objekten der Sammlungen deutlich werden. Bedeutende Künstler der Zeit wurden mit Wandgemälden beauftragt. So stattete Wilhelm von Kaulbach die riesige Treppenhalle mit sechs wichtigen Szenen der Geschichte aus, von der Zerstörung des Turms zu Babel über die großen Denker des Altertums um Homer und die Kreuzfahrer in Jerusalem bis zur Reformation. Jeder Raum erhielt entsprechend der ausgestellten Stücke eine passende Dekoration. Stülers Bau war eine technische Meisterleistung. Die gerade einsetzende Industrialisierung ermöglichte neue Verfahren, die hier zum Einsatz kamen: Eine Dampfmaschine rammte die Pfähle in den Boden, betrieb die Aufzüge und die Pumpen zur Entwässerung der Baugrube, eine Hilfseisenbahn brachte Material herbei. Bauhistorisch bedeutend sind aber vor allem die innovativen Eisenkonstruktionen, die sich hinter der schlichten Fassade verbergen. Sie wurden als standardisierte Bausätze bei Borsig seriell gefertigt und erst vor Ort zusammengesetzt. Obwohl Stüler die Konstruktion hinter Verkleidungen versteckte, war das neue Bauen doch überall spürbar, sei es in dem Gewölbe des Sternensaals oder dem stützenfreien Glas-Eisen-Dach, das einst den Ägyptischen Hof überspannte. Das Neue Museum setzte auch mit seiner prunkvollen Innenausstattung Maßstäbe.

Roter Saal, Vitrinen mit Objekten von der Steinzeit bis zum Mittelalter. Museum für Vor- und Frühgeschichte
Roter Saal, Vitrinen mit Objekten von der Steinzeit bis zum Mittelalter 
© Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte, Foto: Achim Kleuker

Sie orientierte sich eng an den Objekten, die hier ausgestellt werden sollten: antike Skulpturen und Gipsabgüsse, die im Alten Museum keinen Platz mehr fanden, die prähistorischen und besonders die ägyptischen Sammlungen. Ein Panorama der Menschheitsgeschichte sollte sich in den Räumen entfalten. Die historischen Zusammenhänge sollten durch dieses neue Museumskonzept im Architektur- und Bildprogramm und in den Objekten der Sammlungen deutlich werden. Bedeutende Künstler der Zeit wurden mit Wandgemälden beauftragt. So stattete Wilhelm von Kaulbach die riesige Treppenhalle mit sechs wichtigen Szenen der Geschichte aus, von der Zerstörung des Turms zu Babel über die großen Denker des Altertums um Homer und die Kreuzfahrer in Jerusalem bis zur Reformation. Jeder Raum erhielt entsprechend der ausgestellten Stücke eine passende Dekoration.

Nachzulesen


Das MuseumsJournal Nr. 4 vom Oktober 2009 stellt die Restaurierungsgeschichte des Neuen Museums und die Neukonzeption der Sammlungen vor. Ein Blick in Sammlungen und Gärten offenbart, dass Ägypten auch an anderen Orten in Berlin und Potsdam seine Spuren hinterlassen hat. Das Heft kostet 6,90 €.

Ein wahrer Prachtband ist das bei Nicolai erschienene Werk „Neues Museum. Architektur, Sammlung, Geschichte“ zu 49,95 €. Mit historischen und aktuellen Fotografien, Zeichnungen, Plänen und Aufsätzen namhafter Museumsexperten werden die bewegte Vergangenheit ebenso vorgestellt wie Architektur und die Konzeption einzelner historischer Räume.

Wer sich etwas genauer mit der Restaurierung des Neuen Museums beschäftigen möchte, dem sei das Buch „Das Neue Museum Berlin“ aus dem E. A. Seemann Verlag (29,90 €) empfohlen. Detaillierte Einblicke in die Restaurierungsarbeit werden hier ebenso geboten wie kurze Abrisse zur Geschichte des Gebäudes.    

Zur Eröffnung erschien im Prestel Verlag ein Museumsführer, der ausgewählte Exponate nach Ebenen geordnet vorstellt und einführend die Geschichte des Museums Revue passieren lässt. Die schön gestaltete, reich bebilderte Publikation kostet 9,95 €.

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