Digitales Museum
Tipps der Redaktion

Digitalisierte Sammlungen, Virtual- und Augmented-Reality-Anwendungen oder interaktive Ausstellungs- und Vermittlungsformate: Die Museumslandschaft ist auch in Sachen Digitalisierung in Bewegung. Die neuen Angebote ermöglichen, den Museumsbesuch vor- und nachzubereiten oder selbst mitzugestalten, sie ermöglichen neue Dimensionen der Erfahrung und des Wissenserwerbs. Auf Bundesebene präsentiert das Verbundprojekt Museum4Punkt0 auf seiner Webseite eine Liste mit Projekten aus ganz Deutschland. Wir stellen Ihnen hier einige besonders anregende Beispiele aus den Berliner Museen vor. Dieser Überblick ist offen für Hinweise und Erweiterungen. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen!

© Thomas Bruns

Deutsches Historisches Museum
Lebendiges Museum Online

LeMO, das Lebendige Museum Online, ist eines der ältesten Online-Portale zur deutschen Geschichte. Das Kooperationsprojekt von Deutschem Historischem Museum, Haus der Geschichte und Bundesarchiv existiert seit nunmehr 20 Jahren. Die Idee: Objekte, Texte, Medien, Zeitzeugenberichte und Dokumente laden in einer permanent wachsenden digitalen Sammlung dazu ein, Geschichte zu erleben, zu entdecken, zu recherchieren und sich gezielt zu informieren. Das Portal richtet sich an eine breite Öffentlichkeit und stellt seine Materialien kostenlos zur Verfügung. Das Deutsche Historische Museum in Berlin verantwortet die Darstellung der Zeit vor 1945, während die Zeitgeschichte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart vom Haus der Geschichte in Bonn bearbeitet wird. Das Bundesarchiv stellt digitalisierte Dokumente, Bilder und weitere Medien bereit.

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© SDTB / Foto: C. Kirchner

Deutsches Technikmuseum
Onlineausstellungen und Archiv

In digitalen Formaten will das Deutsche Technikmuseum seine Bestände auch außerhalb der Museumsräume zugänglich machen. Modernste Technik und digitales Storytelling ermöglichen online einen neuartigen Zugang zu den Inhalten und Themen des Museums. Die 2019 gestartete Präsenz des Hauses auf der Plattform Google Arts & Culture unterstützt die Bereitstellung von Inhalten zu verschiedenen Aspekten der Technikgeschichte. Entstanden ist z. B. die Onlineausstellung Julius Neubronner und seine fliegenden Fotografen oder der virtuelle Blick in die Geschichte der Eisenbahn Nächster Halt: 1900. Im Online-Archiv befindet sich u. a. die weltweit größte historische Fahrkartensammlung, die 2017 im Rahmen des Kultur-Hackathon Coding Da Vinci digitalisiert wurde. Für die Erschließung entstand eine Crowdsourcing-Lösung: das interaktive Fritz-Fahrkartentool.

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© FHXB-Museum

Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Digitalisiertes Kulturerbe

Das Land Berlin, die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, unterhält seit einigen Jahren ein Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes. Ziel ist es einerseits, einen dauerhaften Zugang zum digitalisierten "kulturellen Gedächtnis" Berlins zu schaffen und andererseits für die langfristige Nachnutzbarkeit der Digitalisate zu sorgen. Mit Hilfe des "Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin", kurz: digiS, werden spartenübergreifend zahlreiche Projekte in Berlin unterstützt. Die digitale Sammlung des FHXB Museums ist dafür beispielhaft. Zu sehen sind dessen Objekte auf der Online-Plattform museum-digital. Gefördert werden aktuell Projekte u. a. der Akademie der Künste, der Berlinischen Galerie oder der Stiftung Stadtmuseum Berlin, die Manuskripte von Theodor Fontane im Geburtstagsjahr des Dichters verfügbar macht.

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© Jüdisches Museum Berlin. Foto: Jens Ziehe

Jüdisches Museum
Online-Schaukasten

Auch die multimedialen Online-Projekte des Jüdischen Museums erlauben, sich raum- und zeitunabhängig zu informieren und dabei selbst gewählte Aspekte zur Geschichte und Gegenwart der jüdischen Kultur zu vertiefen. Man findet Dokumentationen von Forschungsprojekten und Online-Features, aber auch Angebote wie die Filmreihe Glaubenssachen in Judentum, Christentum und Islam. Auch das Museum selbst steht im Fokus mit Rubriken wie „Einblicke ins Museum bei Nacht“ oder Was wir nicht zeigen. Außerdem sind verschiedene Spiele entstanden, die themenbezogenes Wissen vermitteln. Die interaktive Karte Jewish Places ist ein wachsendes Archiv zur Gegenwart und Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland. Anhand von geografisch verorteten Fakten zur jüdischen Regionalgeschichte will sie wichtige jüdische Kulturorte präsent halten und im Alltag erlebbar machen – auch hier unabhängig vom eigenen Standort.

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© BetaRoom. Foto: Stefan Vincent

MauAR
Das geteilte Berlin in AR erleben

Geschichte seriös und trotzdem packend zu vermitteln – das ist das erklärte Ziel der Entwickler der MauAR-App, mit der man die Topologie der geteilten Stadt Berlin durchwandern kann. Der Name ist Programm: Was man mit dem eigenen Smartphone beim Gang durch die ehemaligen Grenzzonen erfahren kann, ist tatsächlich Augmented Reality, eine virtuelle Erweiterung der Wahrnehmung unserer Umwelt. Um ein möglichst authentisches Bild zu zeichnen, wurden zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen auf beiden Seiten der Mauer geführt und daraus zwei Biografien entwickelt. Aus Sicht dieser Figuren kann man sich in die Zeit vor dem Mauerfall zurückversetzen. Das durch die Frontkamera auf den Handybildschirm übertragene Bild inklusive dazugehöriger Tonaufnahmen wird mithilfe der digitalen Informationen in eine neue Wirklichkeit verwandelt, die zugleich historische Dokumentation und faszinierende Erfahrung mit Erinnerungswert ist.

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© Ikonospace

Max Liebermann Haus
Liebermanns Welt in VR

Im zweiten Weltkrieg vollständig zerstört, wurde das Max Liebermann Haus in Berlin-Mitte in den 1990ern wieder aufgebau; heute hat die Stiftung Brandenburger Tor hier ihren Sitz. Mit ihrer VR-Dokumentation "Liebermanns Welt" erinnert die Stiftung nun an das bewegte Leben von Max Liebermann (1847–1935) und seiner Familie. Das Virtual-Reality-Erlebnisses Bei Liebermanns rekonstruiert das im zweiten Weltkrieg vollständig zerstörte Wohnhaus und Atelier des Künstlers. In einer faszinierenden Zeitreise per VR-Brille haben Besucher*innen die einzigartige Möglichkeit, durch Musikzimmer, Speisezimmer, Arbeitszimmer sowie Max Liebermanns berühmtes Glasatelier auf dem Dach des Hauses zu schreiten. Der virtuelle Rundgang macht darüber hinaus Werke von Max Liebermann, aber auch seine eindrucksvolle Kunstsammlung digital erlebbar, die im Zweiten Weltkrieg teilweise verloren ging.

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© MfK Berlin. Foto: Michael Ehrhart

Museum für Kommunikation
Per App mit den Exponaten interagieren

Mit der hauseigenen App des Museums für Kommunikation können Besucher*innen die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Kommunikation auf individuell gewählten Routen erkunden. Die interaktiven Guides führen in audiovisuellen Touren durch die Ausstellung und lassen die Exponate lebendig werden – vom Faustkeil über die Rohrpost bis zur E-Mail. Die Meilensteine der Kommunikationsgeschichte sind ebenso eindrücklich zu erleben wie die Architektur des altehrwürdigen Prachtbaus aus Wilhelms Zeiten. Die für Android und iOS verfügbare Museums-App kann direkt im hauseigenen WLAN-Netz auf das Smartphone geladen werden. Ein weiteres Highlight ist das digitale Briefarchiv, in dem die Geheimnisse von über 3.000 Briefen gelüftet werden – darunter die Sammlung Post von drüben mit deutsch-deutschen Briefwechseln zwischen 1949 und 1990.

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© Google Arts & Culture. Foto: Stefan Hoederath

Museum für Naturkunde
VR-Rundgang und Tierstimmenarchiv

Besucher*innen des Museums für Naturkunde können die Vielfalt und fragile Schönheit der Natur zusätzlich zu zahlreichen Exponaten in einem interaktiven Virtual-Reality-Rundgang erkunden. Auf der Grundlage modernster Technologien erwacht der hauseigene Brachiosaurus in einem 360-Grad-Video zum Leben; kurzweilige Online-Geschichten geben Einblicke in den Forschungs- und Ausstellungsbetrieb und virtuelle Streifzüge im Street-View-Modus laden in die Museumsräume ein. Im digitalen Tierstimmen-Archiv finden sich mit 75.000 Einträgen die vielfältigsten Lautäußerungen großer und kleiner Lebewesen zum Entdecken und Nachhören – von zu Hause oder unterwegs. Zudem hat das Museum die Naturblick-App entwickelt, mit der man Pflanzen bestimmen und Tierdialekte sammeln kann.

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Staatliche Museen zu Berlin © bpk / DOM publishers, Juli 2009

Museumsinsel
Weltkulturerbe goes digital

Google Arts & Culture ist eine Web-Anwendung des US-amerikanischen Softwareunternehmens Google, die in Kooperation mit Museen weltweit virtuelle Rundgänge durch Ausstellungsräume ermöglicht. Das Besondere: Zu ausgewählten Exponaten kann man auch hochaufgelöste Fotografien und Detailinformationen abrufen. Auch die traditionsreichen Häuser der Berliner Museumsinsel, die mehr als 6000 Jahre Menschheitsgeschichte in der Stadtmitte versammeln, sind auf der Plattform vertreten. Neben Rundgängen können Kuppeldecken bestaunt und das Ischtar-Tor virtuell betrachtet werden. Die Serie #HistoryOfUs stellt die wichtigsten Exponate der fünf Museen äußerst kurzweilig vor. Unbekannte Fakten zur Entstehungsgeschichte gemalter Meisterwerke und eine Zoom-In-Funktion laden dazu ein, sich nach Lust und Laune zu vertiefen.

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© Architectura Virtualis

Neues Museum
Die historische Treppenhalle in VR

Zum Anlass seiner Wiedereröffnung vor zehn Jahren lädt das Neue Museum im Rahmen der Ausstellung "10 Jahre Neues Museum" zu einer Virtual-Reality-Tour durch 150 Jahre Kulturgeschichte ein. Im Zentrum steht das von David Chipperfield sanierte Gebäude in der Bodestraße. In 15-minütigen 360-Grad-Filmen wurde der ursprüngliche Zustand der historischen und im Zweiten Weltkrieg zerstörten Treppenhalle digital rekonstruiert. So ist es möglich, das Raumerlebnis der erneuerten Architektur mit der historischen Raumsituation in Beziehung zu setzen. Vor und nach den digitalen Themenfilmen bleibt Zeit, sich im virtuell rekonstruierten Raum umzusehen und den ursprünglichen Zustand der Treppenhalle zu erkunden. Für die Nutzung der VR-Brillen können Sie sich online oder vor Ort über kostenfrei buchbare Zeitfenster anmelden.

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© Stadtmuseum Berlin. Foto: Michael Setzpfandt

Stiftung Stadtmuseum Berlin
Sammlung und Rundgang online erleben

Besucher*innen der Nikolaikirche, die zur Stiftung Stadtmuseum Berlin gehört, können auch auf digitale Entdeckungsreise gehen. Mit ihrer wechselvollen Geschichte präsentiert sich die Nikolaikirche heute, nach ihrem Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg, wieder als wichtiges Baudenkmal und vielbesuchte Sehenswürdigkeit. Das prachtvolle Gebäude in Berlin-Mitte vereint spätromanische und frühgotische Bauelemente und wurde im Laufe seiner Geschichte mehrmals umgebaut und stilistisch verändert. Diese Vielfalt kann in einem 360-Grad-Rundgang auf der Website des Hauses von außen und innen bestaunt werden. Nicht unerwähnt bleiben soll die Sammlung Online des Stadtmuseums. Sie bietet die Möglichkeit, gezielt in den Beständen zu stöbern und die Exponate in der 360-Grad-Ansicht zu bestaunen.

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© Felix Sattler/HU Berlin

Tieranatomisches Theater
Interaktives "Flechtwerk der Dinge"

Im Tieranatomischen Theater lädt eine interaktive Ausstellung zur Erkundung der Vielfalt der Dinge, unbekannter Zusammenhänge und kritischer Positionen in der Sammlungspraxis ein. Zum Auftakt werden 80 Objekte aus 24 Sammlungen der HU und ihrer Partnerinstitutionen präsentiert. Zusätzlich bietet eine App ein individualisiertes Erlebnis, indem Dinge in immer neuen Konstellationen auftauchen. Über die Themenfelder „Gebrauch“, „Herkunft“, „Vielfalt“ und „Lokalität“ lassen sich diverse Verknüpfungen aktivieren. Das „Flechtwerk der Dinge“ spürt mit Texten, Bildern und in virtuellen Touren überraschenden Zusammenhängen nach. Was verbindet ein Foto der Prenzlauer Marienkirche mit einer eiszeitlichen Gesteinsprobe? Was hat ein Lavastein mit dem Dschihad zu tun? Finden Sie es heraus!

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