Foto: Ellen Röhner

Architekturmodell, 1984
FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum

Durch die Internationale Bauausstellung (IBA) erhielt Berlin-Kreuzberg 1984 viel Aufmerksamkeit. Seit 1979 hatten Stadtplaner und Architekten ein neues Konzept für die West-Berliner Innenstadt entwickelt und dies mit zwei unterschiedlichen Ansätzen: Die IBA-Neubau thematisierte die Rekonstruktion der historischen (Halb-)Stadt, die IBA-Altbau entwickelte Ideen zur Rettung des Altbaubestands durch behutsame Modernisierungen. Im Zentrum stand das vom Abriss bedrohte Altbauquartier im Kreuzberger Südosten.
Die Stadtplaner reagierten damit auf die massiven Proteste gegen Wohnungsnot und die Kahlschlagsanierung – und nicht zuletzt auf die Hausbesetzerbewegung. Sie strebten eine Sanierung, aber auch den Erhalt vorhandener sozialer Strukturen an. Dabei entstanden die zwölf "Grundsätze der Stadterneuerung", die später zur Grundlage der Berliner Stadterneuerung wurden. Der erste Grundsatz lautete: "Die Erneuerung muss mit den Bewohnern geplant und substanzerhaltend realisiert werden."
Die in der Nachfolge der IBA gegründete S.T.E.R.N. GmbH führte bis Ende 1992 den Erneuerungsprozess in Kreuzberg weiter. Um sich ein Bild des Bestands zu machen, ließen die Stadtplaner ein Modell des gesamten Sanierungsgebiets mit Fassadenfotografien der einzelnen Häuser anfertigen. Es entstand eine Darstellung des Zustands des Kreuzberger Gebiets kurz vor der Sanierung im Jahr 1984.
Die S.T.E.R.N GmbH überließ dem damaligen Kreuzberg Museum einen großen Teil des Modells. Es wurde zum Mittelpunkt der Ausstellung "Geschichte wird gemacht. Berlin am Kottbusser Tor" (MJ 1/2003), die 2003 eröffnet wurde. Es war ein partizipatives Projekt, in dem 60 Anwohner als Sammler, Ausstellungsbauer, Visionäre, Fotografen und Mediengestalter die Geschichte der Stadtentwicklung um das Kottbusser Tor herum erforschten und darstellen. Seither wurde die Ausstellung mehrfach aktualisiert. Noch immer steht das Modell der Bebauung von 1984 im Mittelpunkt der Ausstellung – als Zeichen für die Geschichte der Stadterneuerung und der sozialen Bewegungen in Kreuzberg.

Ein Beitrag von Ulrike Treziak und Nathalie Bayer.

Bildnachweis: Architekturmodell der Bebauung am Kottbusser Tor, Berlin-Kreuzberg, 1984. FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum. Foto: Ellen Röhner


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