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Digitalisierte Negativsammlung, um 1980

Museen Tempelhof-Schöneberg

Die zahlreichen Standorte der Museen Tempelhof-Schöneberg mit ihren vielfältigen kulturellen Angeboten werden von einem Team zusammengehalten, das mit Leidenschaft und Begeisterung neue Themen erschließt und verschiedenste Wege der Vermittlung einschlägt. Quelle und Impulsgeber ist in vielen Fällen der Bestand des regionalhistorischen Archivs des Bezirks. Dabei sind es nicht nur Neuerwerbungen, sondern auch Altbestände, die interessante Themen aufbringen oder neue Blickwinkel auf bekannte Ereignisse ermöglichen.
Beispielhaft hierfür steht das Projekt zur Digitalisierung der Negativ-Sammlung des Fotografen Jürgen Henschel. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa wird unter dem Titel "Ein Zimmer für Frau allein. Der Protest gegen die Wohnungspolitik West-Berlins Anfang der 1980er Jahre" ein großer Teilbestand der etwa 23000 Stück umfassenden Negativ-Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Neben der Entwicklung neuer digitaler Strategien für die Sammlung der Museen steht die Erschließung der umfangreichen Dokumentation des damaligen politischen und kulturellen Lebens im Bezirk im Vordergrund. Obwohl Jürgen Henschel als überzeugter Kommunist und Pazifist einen besonderen Blick auf die Aktivitäten seiner politischen Mitstreiter richtete, gehen die Bilder in ihrer Bedeutung weit über diesen Fokus hinaus. Sie dokumentieren eine geteilte Stadt in Bewegung, in der zwischen sanierungsbedürftigen Altbauten und kriegsbedingten Baulücken neue Lebensentwürfe und Protestformen erprobt wurden. Seine Bilder sind ein wichtiges Zeugnis des Gestaltungs- und politischen Partizipationswillens vieler West-Berliner.
Wie der Titel des Projekts erahnen lässt, wird die Aufarbeitung des Bestands insbesondere den Blick auf die Wohnsituation und die Hausbesetzerszene in Schöneberg in den 1970er- und 80er-Jahren erweitern. Die Digitalisierung und Erschließung der Fotografien schafft darüber hinaus neue inhaltliche Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten des Austauschs zu den Themen Stadtgestaltung und Wohnen, die im Berlin des Jahres 2019 wieder eine große Aktualität und Brisanz erreicht haben.

Ein Beitrag von Marie Becker und Irene von Götz.
Bildnachweis: Jürgen Henschel, Winterfeldstraße/Gleditschstraße, 1981. Fotografie

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