Foto: Friedhelm Hoffmann

Amulett, 1989
Museum Neukölln

Dieses Amulett schnitzte der politische Häftling Fadil Al Saokal 1989 in einem syrischen Gefängnis aus einem Pfirsichkern. Auf der einen Seite sind zwei Friedenstauben als Zeichen der Hoffnung dargestellt. Die Blumen auf der anderen Seite zeigen ein islamisches Motiv und erzählen von dem weinenden Stein, dessen Tränen selbst in einem Steinbruch Blumen erblühen lassen. Fadil Al Saokal schenkte das Amulett seinem Bruder, der mit seiner Familie 1990 in einem Flüchtlingsheim in Britz untergebracht war und später politisches Asyl in Berlin erhielt. Geschichte und Symbolik des Amuletts verweisen auf die Fluchtgeschichten vieler Menschen, die im Bezirk Neukölln eine neue Heimat gefunden haben. Deshalb wurde das Motiv auch in das Signet von Schloss und Gutshof Britz integriert, dem Standort, an dem sich das Museum Neukölln seit 2010 befindet.
Zu besichtigen ist das Amulett in der ständigen Ausstellung "99xNeukölln" (MJ 2/2010), die jährlich rund 18000 Besucher anzieht. Gestützt auf moderne Computertechnologie zeigt die Ausstellung 99 Objekte aus der Sammlung, die Ausgangspunkte für eine kritische historische Aufarbeitung der Bezirksgeschichte mit vielen Bezügen zur Gegenwart sind. Eine Bierflasche der Kindl-Brauerei etwa, ein Stück des Schornsteins der ehemaligen Werkstätten von Puhl und Wagner oder ein Schraubenpäckchen des Eisenwarenladens Kießling verweisen auf die diesjährige Sonderausstellung »In guten Händen – Handwerk in Neukölln« (Journal, S.72f.).
Das Museum Neukölln versteht sich als ein lebendiger Ort der Diskussion über die historischen Erfahrungen der Menschen, die in unserem Bezirk ein Zuhause gefunden haben. Es bietet ein Forum für diejenigen, die sich mit ihren Erwartungen und Hoffnungen aktiv für ein besseres und gerechteres Zusammenleben engagieren. Dazu gehören Möglichkeiten der Beteiligung an Ausstellungen und Diskussionsveranstaltungen, selbstständiges Forschen im Geschichtsspeicher und eigenes kreatives Werken in unserer geplanten museumspädagogischen Werkstatt. "Neukölln Open", das jährliche Festival für Demokratie und Vielfalt, bringt Menschen über kontroverse politische Themen miteinander ins Gespräch und bietet ein unterhaltsames Kulturprogramm für alle Bevölkerungsgruppen.

Ein Beitrag von Udo Gößwald.

Bildnachweis: Fadil Al Saokal, Amulett, 1989. Pfirsichkern, 3 x 2 x 1cm. Museum Neukölln. Foto: Friedhelm Hoffmann


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