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Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst

12. Ausgabe: Still Present!

Seit ihrer ersten Ausgabe 1998 bespielt die Berlin Biennale alle zwei Jahre unter der Leitung wechselnder Kurator*innen und Themen verschiedene Ausstellungsorte in der Stadt. Am 11. Juni startet die 12. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst und untersucht bis 18. September mittels Ausstellungen, Interventionen und Veranstaltungen dekoloniale Strategien und Praktiken für die Gegenwart.

Kurator in diesem Jahr ist Kader Attia, der sich als Künstler, Denker und Aktivist insbesondere mit dem Begriff der Reparatur, zunächst von Objekten und körperlichen Verletzungen, dann aber auch von individuellen und gesellschaftlichen Traumata beschäftigt hat. Unter dem Titel Still Present! befassen sich die von ihm und seinem Team eingeladenen Künstler*innen aus verschiedenen Teilen der Welt mit den Hinterlassenschaften der Moderne und dem daraus resultierenden planetaren Notstand.

Wie lässt sich eine dekoloniale Ökologie gestalten? Welche Rolle können feministische Bewegungen aus dem Globalen Süden bei der Wiederaneignung historischer Narrative spielen? Oder: Lässt sich durch Kunst das Feld der Emotionen zurückgewinnen? Diese und weitere Fragen werden an sechs Ausstellungssorten verhandelt, die bewusst gewählt wurden, da sie historische Brüche sowie politische und soziale Transformationsprozesse kartografieren, die in Berlin ihren Anfang nahmen und weit über die Stadt hinauswirken. Wir stellen Ihnen diese Orte im Folgenden kurz vor. Beim Klick auf die Einträge erhalten Sie weitere Infos zu den Öffnungszeiten.

Tickets

Die Tickets kosten 18,00 €, ermäßigt 9,00 €, bis einschließlich 18 Jahre ist der Eintritt frei. Sie erhalten sie hier oder demnächst im KW Institute for Contemporary Art, in der Akademie der Künste (Pariser Platz) und im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin. Die Eintrittskarten berechtigen zum einmaligen Besuch aller Ausstellungsorte inklusive der weiteren Ausstellungen im Hamburger Bahnhof und besitzen Gültigkeit für die gesamte Laufzeit. An den Ausstellungsorten Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt und Stasi-Zentrale, Campus für Demokratie ist der Eintritt frei.


Führungsprogramm

Während der Biennale bietet der Museumsdienst Berlin jedes Wochenende öffentliche Rundgänge in der Akademie der Künste (Hanseatenweg und Pariser Platz), im Hamburger Bahnhof und dem KW Institute for Contemporary Art an. Diese sind mit gültigem Ausstellungsticket kostenlos, die Anmeldung erfolgt vor Ort:

  • Akademie der Künste, Hanseatenweg, samstags 14 Uhr dt., sonntags 16 Uhr engl.
  • Akademie der Künste, Pariser Platz: freitags 17 Uhr, dt./engl. alternierend
  • Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin: samstags 14 Uhr dt., sonntags 16 Uhr engl.
  • KW Institute for Contemporary Art, samstags 14 Uhr dt., sonntags 16 Uhr engl.

Außerdem werden Kombi-Führungen für Gruppen durch verschiedene Orte angeboten. Diese sind buchbar unter der Tel.-Nr. 030-247 49 888 oder per Mail: museumsdienst@kulturprojekte.berlin.

Akademie der Künste, Pariser Platz, Berlin, 2022, Foto: dotgain.info
dotgain.info
Ansicht der Akademie der Künste am Pariser Platz mit Biennale Beflaggung.

Akademie der Künste

Hanseatenweg und Pariser Platz

Die 1696 gegründete Akademie der Künste gehört zu den ältesten europäischen Kulturinstituten. Sie ist eine internationale Gemeinschaft von Künstler*innen, die in den Sektionen Bildende Kunst, Baukunst, Musik, Literatur, Darstellende Kunst, Film- und Medienkunst organisiert sind. Seit 1907 hatte sie ihren Sitz am Pariser Platz, bevor das Gebäude in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 weitgehend zerstört wurde. Im geteilten Berlin entstand in den Sechzigerjahren der Standort Hanseatenweg. Der Neubau am Brandenburger Tor wurde erst im Jahr 2005 bezogen. Dennoch war das 1998 noch unsanierte Akademiegebäude am Pariser Platz einer der Ausstellungsorte der 1. Berlin Biennale. Nach weiteren Ausstellungen an je einem der Standorte bespielt die aktuelle Ausgabe nun erstmals beide Häuser.

© faf.berlin

Dekoloniale

Erinnerungskultur in der Stadt

Das Modellprojekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt entstand Anfang 2020 zur kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kolonialismus und dessen Folgen. Es wird maßgeblich von Akteur*innen getragen, die sich seit Jahren für Berlins kritische Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus engagieren. Der zugehörige Projektraum befindet sich in der Wilhelmstraße 92 zwischen den ehemaligen Standorten der Reichskanzlei und des Auswärtigen Amtes, somit an einem Ort, an dem 1884/85 europäische, US-amerikanische und osmanische Gesandte zur Berliner Afrika Konferenz zusammenkamen und sich über die Regeln für die koloniale Aufteilung und Ausbeutung des afrikanischen Kontinents verständigten. Er kann jederzeit besichtigt werden (Schaufenster).

Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, Invalidenstraße 50, Berlin-Mitte
© Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, Invalidenstraße 50, Berlin-Mitte © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Hamburger Bahnhof

Museum für Gegenwart Berlin

Der Hamburger Bahnhof ist heute ständiger Ausstellungsort für Kunst der Gegenwart aus der Sammlung der Nationalgalerie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Er entstand Mitte des 19. Jahrhunderts als Endbahnhof der Strecke Berlin-Hamburg. Mit dem wachsenden Verkehrsaufkommen auf den Schienen konnte er trotz einiger Umbauten nicht Schritt halten, sodass 1884 seine Stilllegung folgte. Nach verschiedenen Zwischennutzungen wurde das Gebäude während des Zweiten Weltkriegs 1943 mehrmals schwer beschädigt. Anschließend lag es während der deutschen Teilung für Jahrzehnte ungenutzt im Niemandsland zwischen West- und Ost-Berlin. Erst 1996 wurde der Hamburger Bahnhof nach umfassendem Umbau und Sanierung in seiner heutigen Form eröffnet.

Café Bravo. KW Institute for Contemporary Art
© Foto: Frank Sperling
Café Bravo. KW Institute for Contemporary Art. © Foto: Frank Sperling

KW Institute for Contemporary Art

Das KW Institute for Contemporary Art widmet sich mit der Produktion, Präsentation und Vermittlung zeitgenössischer Kunst zentralen Fragen der Gegenwart. Es besitzt keine eigene Sammlung, sondern ist ein Labor mit Ausstellungen, Künstlerateliers und Veranstaltungen. Anfang der 1990er-Jahre in der turbulenten Nachwendezeit in einer sanierungsbedürftigen ehemaligen Margarinefabrik in Berlin-Mitte gegründet, haben sich die KW als lebendiger Ort für progressive künstlerische Praktiken etabliert und international vernetzt. Hier wurde die Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst auch gegründet und 1998 erstmals ausgerichtet. Seitdem sind die KW Fixpunkt als Ausstellungsort der Biennale.

© BStU / Dronebrothers
© BStU / Dronebrothers

Stasi-Zentrale

Campus für Demokratie

Mit rund 50 Gebäuden war die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg zu DDR-Zeiten ein riesiger Komplex, in dem bis zu 7.000 hauptamtliche Stasimitarbeiter*innen tätig waren. Von hier aus organisierten sie die Überwachung der Bevölkerung und die Auslandsspionage der DDR. Heute ist die frühere Bastion der Geheimpolizei ein Ort der Aufklärung über Diktatur und Widerstand und versteht sich als Lernort für Demokratie. Das heutige Stasi-Unterlagen-Archiv beherbert rund 43 Kilometer Akten mit persönlichen Daten von DDR-Bürger*innen. 2018 eröffnete die Ausstellung "Einblick ins Geheime", die über die massenhafte Bespitzelung durch das Ministerium für Staatssicherheit aufklärt.