Rund um Schloss Charlottenburg
Quartier français

Das barocke Schloss Charlottenburg ist Zentrum eines eigenen Museumsquartiers. In den ehemaligen Kasernengebäuden dem Schloss gegenüber findet man heute das Museum Berggruen, die Sammlung Scharf-Gerstenberg und das Bröhan-Museum, die alle aus privaten Sammlungen hervorgegangen sind.

Schloss Charlottenburg, Blick über das Bassin auf die Gartenfront © SPSG, Foto: Hans Bach

Das Charlottenburger Museumsquartier verströmt französisches Flair. Vorbild für das um einen Ehrenhof gruppierte Schloss Charlottenburg und seinen barocken Park, die ab 1695 für Kurfürstin Sophie Charlotte entstanden, war Versailles. 1740 ließ Friedrich der Große den östlichen Flügel mit den prunkvollen Rokokosälen errichten. Schloss Charlottenburg wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den fünfziger Jahren wieder aufgebaut, wie auch das spätbarocke Belvedere im Park und der klassizistische Neue Pavillon.

Museum Berggruen Berlin-Charlottenburg, Schloßstr. 1
Museum Berggruen Berlin-Charlottenburg, Schloßstr. 1
© Staatliche Museen zu Berlin. Foto: Maximilian Meisse

Die berühmtesten Gemälde im Schloss stammen von den französischen Genremalern Antoine Watteau, Nicolas Lancret und Jean-Siméon Chardin. Auch im Museum Berggruen, das die ehemalige Kaserne der königlichen Garde in der Schlossstraße bezogen hat, spielen – neben dem Schweizer Paul Klee – Franzosen und Wahl-Franzosen die Hauptrolle. Pablo Picasso, George Braque, Henri Matisse und Alberto Giacometti haben einen Großteil ihres Lebens in Paris verbracht, ebenso wie der Begründer der Sammlung, der Kunsthändler und Publizist Heinz Berggruen.

Sammlung Scharf-Gerstenberg © Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Maximilian Meisse

Wie der Kubismus, den man hier in Gemälden, Objekten und Zeichnungen studieren kann, nahm auch der Surrealismus seinen Ausgang in Paris. Ihm ist – einschließlich seiner Vorläufer im 18. und 19. Jahrhundert – die Sammlung Scharf-Gerstenberg im Zwillingsbau auf der anderen Straßenseite gewidmet. Von Max Ernsts Frottagen und René Magrittes Gemälden über Collagen von Jean Dubuffet und Zeichnungen von Hans Bellmer bis zu Filmen von Luis Buñuel sind die surrealistischen Medien und Techniken in ihrer ganzen Vielfalt vertreten.

Bröhan-Museum
Bröhan-Museum, Außenaufnahme des Bröhan-Museums. Foto: Martin Adam, Berlin

Das Bröhan-Museum neben dem Museum Berggruen präsentiert Jugendstil, Art déco und Funktionalismus in ihren verschiedenen nationalen Spielarten. Raumensembles aus Möbeln, Teppichen, Lampen, Kleinkunst und Gemälden machen den Geist der Epochen zwischen 1890 und 1930 lebendig. Auch hier kamen wichtige Impulse aus Frankreich, etwa in der Möbelkunst von Hector Guimard, dem Porzellan aus Sèvres oder der Glaskunst von Emile Gallé.

Nicht nur das reizvolle Zusammenspiel unterschiedlicher Kunstgattungen ist allen Charlottenburger Häusern gemeinsam, sondern auch ihr Ursprung als Privatsammlung. Die Einrichtung des Schlosses spiegelt die Vorlieben seiner wechselnden Bewohner – von Sophie Charlotte über Friedrich den Großen bis zu Friedrich Wilhelm IV. Das Museum Berggruen ist nach Heinz Berggruen benannt, der die Sammlung nicht nur mit Kennerschaft zusammentrug, sondern auch für die abwechslungsreiche Hängung sorgte. Auf Initiative seiner Witwe und seiner Kinder wurde das benachbarte Kommandantenhaus als Erweiterungsbau gewonnen und im März 2013 eröffnet (derzeit wegen Baumaßnahmen geschlossen). Die Sammlung Scharf-Gerstenberg wurde von Dieter Scharf, Enkel des Berliner Sammlers Otto Gerstenberg, aufgebaut, den Grundstock des Bröhan-Museums schuf Karl Heinz Bröhan – auch sie ausgezeichnete Kenner ihres Gebiets.

Wer schließlich die Vorbilder europäischer Kunst sehen will, die klassische Körperlichkeit, wie man sie etwa in Grafiken Picassos finden kann, und die Mythenwelt, aus der noch die Surrealisten schöpfen, muss die Abguss-Sammlung Antiker Plastik aufsuchen, die ebenfalls in diesem Karree ihr Domizil hat.

Unbedingt ansehen

Das Porzellankabinett und die Schlosskapelle im Alten Schloss, die Goldene Galerie und die Räume Königin Luises im Neuen Schloss, Picassos „Liegenden Akt“ von 1942 im Museum Berggruen, Max Ernsts „Le triomphe de l´amour“ in der Sammlung Scharf-Gerstenberg, Henry van de Veldes Möbelensemble für Haus Bloemenwarf und Peter Behrens’ Einrichtung für die Wertheim-Ausstellung im Bröhan-Museum.

Hinkommen

Mit der U-Bahn zum Richard-Wagner-Platz oder Sophie-Charlotte-Platz oder mit der Ring-Bahn nach Westend fahren und zehn Minuten laufen. Direkt vor dem Schloss bzw. vor dem Museum Berggruen halten Busse der Linien M45 und 309.

Kaffee trinken

Im Foyer der Sammlung Scharf-Gerstenberg gibt es ein Café, das im Sommer auch Tische auf dem Vorplatz aufstellt. Die Orangerie des Schlosses beherbergt ein größeres Café-Restaurant. Weitere Lokale in der Schlossstraße und an der Ostseite des Klausener Platzes.

Alles sehen

Das Ticket für das Museum Berggruen gilt auch für die Sammlung Scharf-Gerstenberg und umgekehrt. Sonst gibt es keine Häuser übergreifenden Tickets.

Erleben

Das Museumsquartier Charlottenburg ist stets einer der Schauplätze der Langen Nacht der Museen, die Ende August stattfindet. Ende Juli bis Anfang August wird der Ehrenhof des Schlosses zum Open-Air-Kino, und Ende November wird hier ein großer Weihnachtsmarkt eröffnet.

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