Gerhard Altenbourg – Das gezeichnete Ich

Gerhard Altenbourg (1926–1989), der international geehrte bildnerische Poet aus dem thüringischen Altenburg, hat ein zeichnerisches und grafisches Werk von erstaunlicher Kontinuität und Qualität geschaffen. Seine kreative Eigenart musste er unter vielen Opfern gegen die in der DDR herrschende kulturpolitische Doktrin durchsetzen und galt darum den Künstlern im Lande als Symbolfigur des inneren Widerstandes.

Die Erschütterungen des Zweiten Weltkrieges bewirkten zunächst ein im Frühwerk dominantes desillusioniertes Menschenbild, das zur Gestaltung sozialistischer Helden nicht taugte. Später reagierte der Künstler auf die Verletzungen von außen zunehmend mit dem Rückzug nach innen. In der Auseinandersetzung mit der Natur, mit Literatur und fernöstlicher Philosophie sublimierte er seine Kunst zu poesievoller Schönheit, zeichnete und aquarellierte mit erlesenen Tuschen, Stiften und Farben filigrane Bildteppiche in kostbarem Gepräge, die durch eigenwillige Titel eine ironische Dimension erhielten. Der Ausstellungs- und Katalogtitel "Das gezeichnete Ich" – nach einer Sentenz des von Altenbourg verehrten Gottfried Benn – gilt für sein introvertiertes Schaffen in zweifacher Weise: das vom Leben "gezeichnete Ich" zu zeichnen.

Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, Calbe, 2015
238 Seiten, Hardcover, zahlreiche farbige Abbildungen

29,95 €
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