11. Berlin Biennale: Erfahrung Nr. 2, durchgeführt auf einer Fronleichnamsprozession. Eine mögliche Theorie und ein Experiment

11. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, 5.9.–1.11.2020

Erfahrung Nr. 2, durchgeführt auf einer Fronleichnamsprozession. Eine mögliche Theorie und ein Experiment
Flávio de Carvalho

Herausgegeben von der Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, 2020
Mit einem Essay von Lisette Lagnado
Deutsch
Grafikdesign: Till Gathmann
14,6 × 23 cm
64 Seiten
Softcover

Was für ein Ungetüm ist eine Menschenmenge? Welchen Druck übt ein pulsierender Kollektivkörper auf diejenigen aus, die sich in ihm, außerhalb oder unterhalb von ihm befinden? Wie lassen sich heute die Kräfte dissidenter Körper mobilisieren? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt von Flávio de Carvalhos Experiment, in dem er öffentlich religiöse Normen missachtete. Was suchte Flávio de Carvalho 1931 auf den Straßen von São Paulo, als er beschloss, sich gegen den Strom einer Fronleichnamsprozession zu bewegen, ohne dabei seinen Hut abzunehmen? Diese einfache Geste verursachte empörte und gewalttätige Reaktionen seitens des Publikums, das den Umzug beobachtete – Reaktionen, die so heftig ausfielen, dass der Künstler fast von einem aufgebrachten Mob gelyncht wurde. De Carvalhos Entscheidung, seine Respektlosigkeit so offen vor einer Gruppe glühender religiöser Anhänger*innen zur Schau zu stellen, lässt sich auf sein tiefes Interesse an Sigmund Freud und an der Massenpsychologie zurückführen. Heute, beinahe ein Jahrhundert später, sagt Experiência no. 2, realisada sobre uma procissão de Corpus Christi [Erfahrung Nr. 2, durchgeführt auf einer Fronleichnamsprozession] insbesondere etwas zur Verbreitung von Angst und Hass aus, die dem weltweiten Aufstieg des Nationalismus und des Faschismus inhärent sind.

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